Donnerstag, 24. Januar 2013

Ein Denzel Washington

20Min schreibt:
"Flight" profitiert zudem von der Leinwand-Präsenz eines Denzel Washington, der das Thriller-Drama zur anrührenden Charakterstudie macht." (20Min, 24.01.2013, Wil-Winterthur, p. 31)

Bitte vor eine allgemein bekannte Person kein Indefinitipronomen - auch nicht, wenn man damit die zweimalige Verwendung der Präposition "von" kurz hintereinander umgehen kann. Bad, bad style. Aber 20Minuten mag mit dieser Schreibgeste auf eine Steigerung des eigenen Prestiges spekulieren, denn es können nur Menschen von einem Denzel Washington (DW) schreiben, die einen grossen Überblick haben und das Wissen, dass es mehr als einen DW gibt, der schauspielt. Offenbar spielt im Film nicht der DW mit. Sondern ein anderer. Wer ein Roger Federer sagt, oder eine Hillary Clinton, möchte vor allem etwas über sich selber mitteilen, nämlich, dass er sich auskennt und weltgewandt ist. Zugleich kann man DW - oder Roger Federer - mit der Verwendung des Indefinitpronomens ein wenig kleiner machen - wir reden hier von einem DW unter vielen; der kocht auch nur mit Wasser. Männer schreiben so. Prestigeangst und Penisneid: Männerthemen. Und 20Min schreibt so; weltläufig scheinen und gut informiert - aber bitte ohne Aufwand. 20Minuten ist ein Mann.

Der umgekehrte Weg - der generalisierende Singular - ist übrigens genauso doof:
Der Appenzeller ist eher kurz und von störrischem Charakter. Und er möchte sein Käsegeheimnis um keinen Preis preisgeben.
So habe ich auch Frauen reden hören. Aber nur ein Mal. Und die mochte keine Männer.

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