"Die Kugeln verletzten sieben Mitarbeiter teils schwer, zwei weitere - die Mutter C.N. (43) und der Kranzschwinger Benno Studer (26) - fanden den Tod. Der gelernte Schreiner war möglicherweise eine der mutigen Personen, die sich Viktor B. in den Weg stellten. "Mehrere Mitarbeiter gingen auf ihn los", sagt ein Leserreporter. Andere bestätigen dies."So, so, "möglicherweise" also. NIEMAND hat gesehen, wie der Kranzschwinger sich jemandem in den Weg stellt. Das zentrale Stück Information - Mitarbeiter gingen auf in los - stammt von einem anonymen Leserreporter, basiert auf Hörensagen - es sei denn, der Leserreporter war bei der Schiesserei anwesend, in welchem Fall man ihn *Augenzeuge* nennen müsste - und sagt nichts über den Kranzschwinger aus. Der Nachsatz "Andere bestätigen dies" ist in seiner Vagheit ein Indiz dafür, dass wirklich kein Sachverhalt vorliegt und der Verfasser der Story ohne Hosen schreibt.
*(20Min, 28.02.2013, Wil-Winterthur, p. 2)
Solche Schlagzeilen sind die Reflexbewegung einer Zeitung, die Tragisches, Schlimmes nicht darstellen kann als das, was es ist - tragisch und schlimm - sondern einen Thrill generiere muss, eine Story, ein Filmli - Unterhaltung eben.
Mit gleichem Recht darf, wer unter seinen Bekannten Zeitungsleser a.k.a. Leserreporter finden kann, die sich den entsprechenden Sachverhalt ev. vorstellen und ihre Meinung anonym auch äussern mögen, fragen:
War mörderischer Amokläufer ein 20Minuten-Leser?!
oder:
Ist 20Minuten die Pferdefleischlasagne der Schweizer Zeitungslandschaft?!
*(20Min, 28.02.2013, Wil-Winterthur, p. 1)
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