Freitag, 29. März 2013
Mittwoch, 27. März 2013
Wortsinn, wahr
20Minuten macht uns heute den Frühling mies, nämlich
Hmmm. Relativ unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass dieses Jahr recht wenige Menschen im Freien eine Eiersuche organisieren. Es soll nämlich regnen. Damit fällt die Eiersuche aber nicht im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Sondern im übertragenen Sinne. Und um das auszudrücken, kann man schreiben: Die Eiersuche im Freien fällt dieses Jahr vermutlich ins Wasser. Es regnet nämlich. Jeder versteht die Anspielung. Wir sind nicht blöd.
Die Gratiszeitung 20Minuten übrigens ist im wahrsten Sinne des Wortes wertlos.
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"das Eiersuchen im Freien an Ostern fällt [...] im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser: im Flachland gibt es nämlich laut den Prognosen weit verbreitet Regen(...)" (20Minuten, 27.3.2013, Wil-Winterthur, S. 2)Nicht im übertragenen Sinne also fällt die Eiersuche ins Wasser dieses Jahr, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Und der wahrste Sinn des Wortes "ins Wasser fallen" ist: etwas fällt - d. h. wird durch die Erdanziehungskraft in Bewegung gesetzt - bis es in einer Wassermasse landet. Gemäss 20Minuten also wird es - das Eiersuchen - dieses Jahr, beschleunigt von der Erdanziehungskraft, in Richtung Erdmittelpunkt fallen bis es von einer Wassermasse abgebremst wird.
Hmmm. Relativ unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass dieses Jahr recht wenige Menschen im Freien eine Eiersuche organisieren. Es soll nämlich regnen. Damit fällt die Eiersuche aber nicht im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Sondern im übertragenen Sinne. Und um das auszudrücken, kann man schreiben: Die Eiersuche im Freien fällt dieses Jahr vermutlich ins Wasser. Es regnet nämlich. Jeder versteht die Anspielung. Wir sind nicht blöd.
Die Gratiszeitung 20Minuten übrigens ist im wahrsten Sinne des Wortes wertlos.
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Freitag, 22. März 2013
Drama in Mensa, bzw.
" Menznau: So lief das Drama in der Mensa"titelt heute 20Minuten. Natürlich fand das Drama aber in einer "Kantine" statt - wie 20Minuten ganze 17 Wörter weiter unten dann auch klarstellt. Eine Mensa ist für Studierende & Geistesarbeiter an einer Bildungsinstitution; die Kantine versorgt Leute, die richtig arbeiten. Die Frage, wo sich 20Minuten-Redakteure und -Innen verpflegen, schieben wir für den Moment beiseite. Interessant ist nämlich, dass 20Minuten nach der titelseitigen Schizophrenie auf Seite 2 dann hyperdifferenziert wird: Der Schütze hat nicht irgendeine, sondern die "Nichtraucherkantine" angesteuert - damit sind endlich alle Spekulationen aus dem Weg geräumt, wonach der Amoklauf eventuell in der Raucherkantine "lief" (yep, "lief", nicht "ablief" oder "sich ereignete").
à propos Spekulation: Die Vermutung, dass es - wie 20Minuten gleich am Tag nach der Schiesserei auf der Titelseite spekulierte - bei dem Ereignis Helden und Heldentaten gegeben hätte, scheint endgültig ausgeräumt. Es war einfach eine traurige, tragische Sache - und eigentlich braucht sie keine Helden.
Womit wir bei der Frage sind, wo sich die 20Minuten-Redaktion verpflegt. Vermutlich in einer *Mentine* oder eventuell in einer *Kansa* - oder wie auch immer der Verpflegungsort heisst für Menschen, die weder viel denken noch richtig arbeiten.
(alle Zitate: 20Minuten, 22.03.2013, Wil-Winterthur, S.1f)
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Donnerstag, 21. März 2013
Wie-durch-ein-Wunder-Watch
"Wie durch ein Wunder"*
überlebt ein Hausbewohner die Zerstörung seines Hauses, berichtet 20Minuten heute. Dies obwohl die Explosion eines Pickup-Trucks voll Sprengstoff das Haus fast vollständig "wegriss". Der Mann befindet sich in kritischem Zustand.
Also: Schwerverletzt nach Hauseinsturz - liegt da die Messlatte für Wunder nicht etwas gar tief?
Und ebenfalls heute und auf der selben Doppelseite meldet 20Minuten noch mehr potentiell Übersinnliches, denn
"nur dank sehr viel Glück"*wurde bei der führerlosen Fahrt eines Trucks auf der A6 in Baden-Württemberg niemand verletzt. Wer genau den Umstand zertifiziert hat, dass viel Glück im Spiel war, meldet 20Minuten nicht. Aber es ist schon geheimnisvoll, wie bei all den Katastrophen immer wieder Menschen überleben. Nicht nachvollziehbar.
*(20Min, 21.03.2013, Wil-Winterthur, p. 3)
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Mittwoch, 20. März 2013
Pöstler! liess! Paket mit Urne!!! vor Haus!! stehen!
titelt 20Minuten heute, nur mit weniger Ausrufezeichen. Die Urne war vom Krematorium Zürich per Express unterwegs zur Witwe des Verstorbenen. Die Witwe findet:
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"Der Pöstler hat das Paket einfach vor das Mehrfamilienhaus gestellt - ungeschützt vor Regen und Schnee an einer viel befahrenen Strasse. Er hätte doch merken müssen, was drin war. Wie konnte er denn so herzlos damit umgehen?"(20Min, 20.03.2013, Wil-Winterthur, p. 3)20Minuten macht keinen einzigen Grammatikfehler und lässt auch die Semantik zufrieden, und der einzige Vorwurf an die Zeitung ist heute, dass a): der Artikel überhaupt erscheint und b): er das Verhalten des Pöstlers zum Thema macht, statt c): zu fragen, wie eine Frau auf die Idee kommt, sich die Asche ihres Mannes per Post schicken zu lassen statt sie im Krematorium ab- und heimzuholen. Und sich dann über fehlende Pietät seitens Dritter beschwert. Es ist eine sehr 20minütige Haltung. Deshalb vermutlich berichtet die Zeitung darüber.
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Freitag, 15. März 2013
eine Zerrung der Berner Polizei
Seit Tagen hat 20Minuten ein Chäferfest! Der Berner "Heiler" steht vor Gericht; der Mann soll willentlich Menschen mit dem HI-Virus angesteckt haben. Der Heiler weigert sich seit gestern, zur Verhandlung zu erscheinen und die Polizei erhält vom Richter den Auftrag, den Mann
a) ... dem Gericht zuzuführen
b) ... ins Gerichtsgebäude zu bringen
c) ... abzuholen und dem Richter vorzuführen
d) ... zur Verhandlung zu bringen
oder die Lösung von 20Minuten, nämlich e):
Auch wenn man das nicht weiss müsste man es doch spüren: dass zerren an dieser Stelle nicht funktioniert, setzt ungefähr so viel Sprachgefühl voraus wie die Fähigkeit, nicht mit "Schafseckel!" zu danken, wenn Ihnen nach dem Niesen jemand "Gesundheit!" wünscht.
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a) ... dem Gericht zuzuführen
b) ... ins Gerichtsgebäude zu bringen
c) ... abzuholen und dem Richter vorzuführen
d) ... zur Verhandlung zu bringen
oder die Lösung von 20Minuten, nämlich e):
"Darauf rückte die Polizei aus. Ihre Mission: den selbst ernannten "Heiler" an seinem Wohnort in Bern abholen und vor Gericht zerren." (20Min, 15.03.2013, Wil-Winterthur, p. 2)Uii, da hat jemand die wörtliche und die übertragene Bedeutung eines Ausdruckes, einer stehenden Wendung, durcheinandergebracht. *Vor Gericht zerren, jemanden* heisst etwas anderes als das, was die Berner Polizei mit dem Heiler zu tut angewiesen wurde. Wer jemanden vor Gericht zerrt, strengt einen Prozess gegen die Person an. Die Wendung ist leicht negativ gefärbt und drückt aus, dass die zerrende Partei vom Sprecher aus gesehen unverhältnismässig reagiert hat und den Prozess wegen einer Lappalie führt.
Auch wenn man das nicht weiss müsste man es doch spüren: dass zerren an dieser Stelle nicht funktioniert, setzt ungefähr so viel Sprachgefühl voraus wie die Fähigkeit, nicht mit "Schafseckel!" zu danken, wenn Ihnen nach dem Niesen jemand "Gesundheit!" wünscht.
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Wie-durch-ein-Wunder-Watch
"Wie durch ein Wunder"*...hat sich gestern Morgen eine Frau bei Baar nur leicht verletzt, als sie die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und "45 meter durch den Wald(...) schleuderte", schreibt 20Minuten heute. Die Frau war zudem schwanger. *(20Min, 15.03.2013, Wil-Winterthur, p. 10)
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Donnerstag, 14. März 2013
Kevin ist eine Runde weiter!...
...titelt 20Minuten heute natürlich nicht. Und kein Wort über das schlechte Abschneiden von Team Bischof Koch oder einen möglichen Zickenkrieg im Konklave! (Hat sich dieser Blog also gestern mit Prognosen zu weit aus dem Fenster gelehnt).
Aber etwas geistig einfach gestrickt ist der 20Minuten-Blick auf die Papstwahl schon: Wie der erste Satz im Artikel zeigt, findet das Hofblatt der Schweizer Missen- und Misterwahlen in wirklich jedem Weltereignis einen Kampf ums Krönchen:
Zur Zeit - berichtet die 20Minuten-Kulturabteilung voraussichtlich morgen - verhandelt Stallone mit dem Vatikan über die Filmrechte. Der Titel? Sankt Rocky! Der Fels, auf dem er seine Kirche bauen will!
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Aber etwas geistig einfach gestrickt ist der 20Minuten-Blick auf die Papstwahl schon: Wie der erste Satz im Artikel zeigt, findet das Hofblatt der Schweizer Missen- und Misterwahlen in wirklich jedem Weltereignis einen Kampf ums Krönchen:
"Jorge Mario Bergoglio hat es geschafft - obwohl er mit 76 Jahren und einer etwas gebrechlichen Gesundheit eher als Aussenseiter in die Papstwahl ging." (20Min, 14.03.2013, Wil-Winterthur, p. 2)Oder es war so: Weil die gesamte 20Minuten-Redaktion gestern schon im Häkelunterricht war als aus der Sixtina das weisse Räuchlein stieg, musste der sportbegeisterte Abwart die Papstwahl-Ausgabe ganz alleine besorgen und hat sich gesagt: Was für ein Drama! Aussenseiter, schon fast abgeschrieben! Vermutlich ausser Form und mit leichtem Übergewicht! Will nochmals den Titel! Das wir unser Lead!
Zur Zeit - berichtet die 20Minuten-Kulturabteilung voraussichtlich morgen - verhandelt Stallone mit dem Vatikan über die Filmrechte. Der Titel? Sankt Rocky! Der Fels, auf dem er seine Kirche bauen will!
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Mittwoch, 13. März 2013
Prognose Papstwahl
Heute, am Tag der Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio zum Papst (Papst Franziskus) wagen wir eine Prognose: 20Minuten, die offizielle Zeitung der Miss- und Mister-Schweiz-Wahl, wird sich morgen vor allem dafür interessieren, warum es der Schweizer Bischof Koch "nicht geschafft" hat, und welcher Dieter-Bohlen-Kardinal Schuld ist.
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Naturgefahr Dachlawine
20Minuten läutet die Alarmglocken. Wieder bricht das Animalische, das Fremde, Bedrohliche in unseren gut geölten Alltag ein:
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In St. Gallen rumort es: während der letzten zwei Tage hörte man immer wieder rumpelnde Geräusche von Dachlawinen, die plötzlich auf die Strasse donnerten. Eine veritable Naturgefahr mitten in der Stadt: Die Lawinen bestehen teils aus kiloschweren Eisbrocken. (20Min, 08.03.2013, Wil-Winterthur, p. 2)Dachlawinen setzen ein Dach voraus, und Dächer gehören nicht zum Reich der Natur sondern sind ein Kulturgut. Dachlawinen gehören also zur Stadt, und sind nicht eine Naturgefahr, die von aussen kommt - zum Beispiel vom Wald, oder aus dem Gebirge. Liest man den Satz so, dass "Naturgefahr" sich nur auf das Nomen "Eisbrocken"bezieht, dann bleibt das Problem, dass damit keine Naturgefahr identifiziert ist. Also: Eisbrocken an sich sind keine Naturgefahr, und wenn sie vom Dach fallen, sind sie nichts stadtfremdes. Das Äquivalent im Naturreich wäre zudem Stein- oder Eisschlag und nicht eine Lawine. Auf jeden Fall können wir die Aufregung abblasen: keine veritable Naturgefahr mitten in der Stadt. Eine Stadtgefahr. Stadttypisch. So fies.
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Donnerstag, 7. März 2013
pompöse Zeitung
Auf der Frontseite informiert 20Minuten heute über die Ereignisse in Venezuela:
20Minuten würde alle diese Fragen mit ja beantworten. Und doch...
"Grosses Geleit für Hugo Chavez: zehntausende nehmen unter Tränen Abschied vom venezolanischen Präsidenten, der bis Freitag aufgebahrt und dann im Rahmen eines pompösen Staatsbegräbnisses beigesetzt wird."*(20Min, 07.03.2013, Wil-Winterthur, p. 1)Hat nicht das Adjektiv pompös einen deutlich spürbaren Beigeschmack (negativ konnotiert)? Kann es anders verwendet werden als wenn man etwas als übermässig bombastische, übermässig selbstgefällige Feierlichkeit kritisieren will? Kommt es nicht einer Vorverurteilung gleich, wenn man etwas als pompös bezeichnet, das noch nicht geschehen ist? Und schliesslich: Die Beisetzung eines demokratisch gewählten Staatspräsidenten, dessen Tod von vielen Bürger betrauert wird, und aus tiefem Herzen betrauert wird, unbesehen als bombastische Selbstgefälligkeit zu bezeichnen - ist das nicht einfältig?
20Minuten würde alle diese Fragen mit ja beantworten. Und doch...
Samstag, 2. März 2013
Wochenende. Wir haben 20Minuten-frei...
... und deshalb hier einige wirklich intelligente Ansichten (die man nicht teilen muss).
Addendum "Kranzschwinger-Held"
Wie der Samstagsblick meldet, hat der Kranzschwinger tatsächlich versucht, den Amokläufer zu stoppen. Und "Blick" hat mit seiner Heldenschlagzeile gewartet, bis der Hergang des Amoklaufes einigermassen klar war: vom Ereignis am Mittwoch immerhin bis zur Samstagsausgabe. Also, 20Minuten, so macht man das anständigerweise; abwarten statt uninformierte Emotionssuppe kochen!*
(Und was mich besonders ärgert: dass man im 20Minuten-Zeitalter schon den "Blick" als Beispiel für anständigen Journalismus vorzeigen kann)
*(vergl. unten: "Wollte Kranzschwinger Amokläufer stoppen?")
(Und was mich besonders ärgert: dass man im 20Minuten-Zeitalter schon den "Blick" als Beispiel für anständigen Journalismus vorzeigen kann)
*(vergl. unten: "Wollte Kranzschwinger Amokläufer stoppen?")
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