Donnerstag, 11. Juli 2013

Wie-durch-ein-Wunder-Watch

20Minuten berichtet heute auf Seite 3, dass in Rapperswil gestern der oberste Balkon an einem Mehrfamilienhaus abgebrochen und in die Tiefe gestürzt ist. Dabei hat er auch die darunterliegenden Balkone mitgerissen. Augenzeugen werden befragt. Ein Foto wird gemacht. Natürlich könnte man jetzt einfach berichten, dass niemand verletzt wurde - aber nein:
"Beim Einsturz wurde wie durch ein Wunder niemand verletzt". (20Minuten, Wil-Winterthur, 11.7.2013, S. 3)
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Dienstag, 9. Juli 2013

"Tiger belagern fünf Männer auf Baum

fünf Tage lang",
titelt heute 20Minuten auf Seite 10 im Ausland-Bund. Retter schafften es zunächst nicht, die Tiger zu vertreiben und es blieb nur eins: Sie
"boten lokale Experten auf. Diese sangen den Tigern Mantras vor, bis die Tiere davontrotteten" (20Minuten, Wil-Winterthur, 9.7. 2013, S. 10)
Dass die lokale Bevölkerung weiss, wie man mit freilaufenden Tigern umgehen soll, steht ausser Frage; dass es sinnvoll ist, dieses Wissen und den Erfahrungsreichtum zu nutzen ebenfalls. Aber die Verwendung des Begriffes "Experte" wirkt in diesem Kontext (Tiger, abgelegener Dschungel, Mantras singen) recht schräg.
20Minuten stand vor dem Problem, für das X in der Satzaussage 'X bewirkt Y' einen Begriff finden zu müssen. Die Tiger trotten davon, und die Verursacher dieses Ereignisses könnten wir nennen:

a: Bauern
b: Dorfälteste
c: Farmer
d: Jäger
e: Leute aus der lokalen Bevölkerung

oder

f: Experten

Jeder der Begriffe a-e ist sowohl ohne Beleg - eine Vermutung - als auch zu spezifisch. Deshalb zieht 20Minuten die 'Experten' aus dem Hut - nicht weil die Zeitung weiss, dass es welche sind, auch nicht, weil sie weiss, worin das Expertentum für so eine Situation bestehen würde, sondern weil ihr die Wörter fehlen. Und der Platz, etwas möglicherweise Komplexes mit mehr als einem Sammelfachbegriff zu benennen. Simsalabim.

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Montag, 8. Juli 2013

Wie-durch-ein-Wunder-Watch

"Das 'Fast-Wunder' von San Francisco"
titelt heute 20Minuten auf der Frontseite, weil bei der Bruchlandung einer Boeing von 307 Passagieren 305 überlebt haben, und doppelt im Text nach:
"Angesichts der Schwere des Unglücks grenzt es an ein Wunder, dass nicht mehr Menschen starben" (20Minuten, Wil-Winterthur, 8.7.2013, S. 1)
Können wir nicht einfach die Welt rational betrachten? Rational darüber informiert werden? Warum muss 20Minuten jedem mechanischen Ereignis ein mystizistisches Hütchen aufsetzen nur weil nicht jede darin verwickelte Person tot ist? Immerhin sind 2 Menschen gestorben, und mehrere sind sehr schwer verletzt - und deshalb, so wohl die Überlegung von 20Minuten, die neue Unterkategorie der "Fast-Wunder", die wir auch als 'Wunder-Grenzfälle' ansprechen können. Das 20Minuten-Universum gliedert sich damit in:

             a: Nicht-Wunder                   b:  Fast-Wunder               und c:   Wunder

Morgen berichtet 20Minuten dann über eine Beinahe-Ufo-Sichtung. So heisst die Sichtung eines Fast-Ufos - oder die Fast-Sichtung eines tatsächlichen Ufos. Man  hat sich auf der Redaktion noch nicht einigen können. Auf jeden Fall soll es da sein, das Ufo. Sonst hätte man es nicht beinahe gesehen.

Und nächste Woche liegt jedem 20Minuten als Gimmick ein Tütchen Sämlein bei. Die kann man aufs Feld streuen, oder ins Balkonkistchen, und daraus wachsen Kornkreise.

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Samstag, 6. Juli 2013

Muslimbrüder begehren auf!

20Minuten berichtet am Mittwoch auf der Frontseite vom Putsch in Ägypten, wo Präsident Mohammed Mursi am Vortag vom Militär abgesetzt wurde:
"Der demokratisch gewählte Muslimbruder Mursi rief seine Anhänger dazu auf, friedlich gegen den Putsch aufzubegehren." (20Minuten, Wil-Winterthur, 3.7.2013, p.1)
Warum das Pauschalblatt 20Minuten ein derart differenziertes Wort gebraucht - aufbegehren - und nicht einfach demonstr- oder protestieren verwendet, ist schwer zu sagen. 'Aufbegehren' ist ein deutlich unneutraleres Wort als demonstr- oder protestieren; es beinhaltet eine Wertung, nämlich,  dass da jemand einen Mucks macht, der dazu nicht unbedingt berechtigt ist; dass da jemand ein wenig lauter wird, als es ihm zusteht; dass wer sich da wehrt, das auf eine etwas kindische Weise tut, jedenfalls nicht so, wie es üblich und anständig wäre.

Vielleicht haben die beratenden Arabisten auf der 20Minuten-Redaktion das Wort empfohlen, weil es Mursis Originalaussage am ehesten entspricht. Oder das Blatt hat wieder einfach jenes Wort aus seiner schmalen Werkzeugkiste geklaubt, das am ehesten nach einem Holzhammer aussieht.

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Mittwoch, 3. Juli 2013

Steuern im Oh Thur-gau, du Hei-mat, wie bi-hist du so

20Minuten berichtet heute über die Steuerbelastung der Thurgauer. Demnach liegt der Thurgau
"im Schweizerischen Vergleich bei der Steuerbelastung auf dem 8. Rang; seit dem Jahr 2000 hat der Thurgau 10 Plätze gutgemacht." (20Minuten, Wil-Winterthur, 4. 7. 2013, p. 7)
Ob die Steuerbelastung im Thurgau zu- oder abgenommen hat, schreibt 20Minuten im Artikel nicht. Hauptsache ein Ranking.

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Montag, 1. Juli 2013

Buchstäbliche Schlammschlacht

20Minuten fasst heute die Ereignisse am St.Galler Openair zusammen:
"Während der Freitag trocken blieb, fiel der Samstag buchstäblich ins Wasser". (20Minuten, Wil-Winterthur, 1. 7. 2013, S. 22)
Nein, tat er nicht. Zwar fiel der Samstag ins Wasser, aber nicht 'buchstäblich'. Sondern im übertragenen Sinn.

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