Donnerstag, 27. Juni 2013

Kutcher gleicht Jobs - ein Zufall?!

Im Sommer startet in den USA der Film über Steve Jobs, berichtet heute 20Minuten im Segment "Digital" auf S. 28, und stellt fest: "Darin sieht Hauptdarsteller Ashton Kutcher dem 2011 verstorbenen Technologiepionier in dessen Jugendjahren auffällig ähnlich"

Kann das ein in Zufall sein?! Oder hängt die 'auffällige' Ähnlichkeit damit zusammen, dass Herr A. Kutcher im Film den jungen Steve Jobs darstellt?! Und für die Aufnahmen - äxgüsi, den "Dreh" - entsprechend hergerichtet wurde?! Die einzig andere Erklärung wäre - und darauf spielt 20Minuten offenbar an - , dass die zwei Männer eine verheimlichte Blutsverwandtschaft verbindet. 

Fragen über Fragen. Das kann kein Zufall sein.

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Dienstag, 25. Juni 2013

"Hätte Ausschaffungsinitiative den Kindsmord verhindert?"

fragt 20Minuten heute auf S. 9. Gemeint ist die Ausschaffung des Mannes, der vor einigen Tagen während eines Polizeieinsatzes seinen 1-jährigen Sohn erstochen hat und den 20Minuten uns als "der 29-jährige Kindsmörder L.K." vorstellt.

Die 20Minütige These geht so:
Der Mann hatte vor 10 Jahren - als 19-Jähriger - einen Raubüberfall begangen. "Wären damals schon Ausschaffungsgesetzte nach dem Gusto der SVP in Kraft gewesen" - so formuliert 20Minuten - dann hätte der Mann die Schweiz für "bis zu 15 Jahre" verlassen müssen, und es "wäre womöglich nie zum tödlichen Drama gekommen".

20Minuten schiebt dann zwei Stellungnahmen nach, eine von rechts (Nationalrat SVP) und eine von links (Nationalrat SP). Und beide Nationalräte spielen das Gedankenexperiment mit, der eine, indem er einschränkt, es sei 'schwierig, einen Entscheid der Justiz mit fast zehn Jahren Abstand zu beurteilen' und es hätte möglicherweise damals 'strafmildernde Umstände' gegeben, der andere mit der Aussage: 'Der Mann wäre ausgeschafft worden und hätte entsprechen hier gar kein Kind zeugen und töten können' und weiteren Ausführungen über die Absicht der SVP, die Gesellschaft zu schützen.

Was beide Nationalräte auf die 20Minuten-Anfrage NICHT geantwortet haben, ist: 'Schämen sie sich, so eine dumme, gemeine, unanständige, sinnlose, kindische Frage zu stellen; schämen sie sich, aus diesem persönlichen Drama ein politisches Gedankenspielchen zu fabrizieren; ich werde mich auf dieses Gespräch nicht einlassen, schämen sie sich.' 

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Dienstag, 18. Juni 2013

"Kinder die Eltern prügeln über 200 Fälle letztes Jahr"

titelt heute 20Minuten auf Seite 2, natürlich mit einem Komma und einem Doppelpunkt, und beides an der richtigen Stelle. Dann sucht der Leser nach der Trendmeldung - immermehr, immerhäufiger, immerbrutaler. Weil der Trend aber abnehmend ist, muss 20Minuten, damit doch noch ein wenig alarmistische Stimmung aufkommt, zu einem formulatorischen Trickli greifen:
"Diese Attacke ist kein Einzelfall: Der Elternnotruf, eine Beratungsstelle für Erziehungsfragen und Familienkonflikte, zählte letztes Jahr 266 Meldungen wegen Gewalt von Kindern gegen ihre Eltern - deutlich mehr als 2011 , 2009 und 2008, aber weniger als im Rekordjahr 2010." (20Minuten, Wil-Winterthur, 18.6.2013, p.2)
Wir sehen: man muss einfach die richtigen Jahre miteinander vergleichen, und schon kann man berichten, dass es jetzt "deutlich mehr" Fälle sind.

Solche sog. Alarmismustrickli sind wichtig, sonst steht 20Minuten am Ende da mit Schlagzeilen wie:
Kinder, die Eltern prügeln: unter 300 Fälle letztes Jahr!
Und der Aussage im Fliesstext:
Die Zahl der Fälle nimmt seit dem Rekordjahr 2010 ab!
Und von sowas natürlich kann bloss eine anständige Zeitung leben.

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Wieviel wohl zahlt

die "Artemedic-Klinik für plastische Chirurgie und Dermatologie" in Olten für den freundlichen, kritiklosen Nachdruck des Schönheitsrankings von Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentariern im heutigen 20Minuten? Die Privatklinik hat das Ranking erstell, weil... Ja warum eigentlich?

Und 20Minuten übernimmt das Ranking weil - so eine "Wissenschaftliche Analyse" ins Beuteschema passt, denn:

1: Man kann eine Infografik bringen mit wissenschaftlichen Schönheitskategorien. Wissenschaftlich! Die einzelnen Items sind u. a: Dünneaugenlieder, Hohewangenknochen, Vollesymmetrischelippen, Glatterliedwangenübergang.

2: Man kann eine "Top-Ten"-Liste erstellen (Erster Rang Frauen: Frau P. Bruderer, SP; erster Rang Männer: Fathi Derder, FDP ). Top-Ten-Listen sind pflegeleicht. Spannender allerdings wäre die Bottom-Ten-Liste. Spannend, weil dann 20Minuten in ethisch schwieriges Gelände geriete und ein wenig argumentieren müsste, warum es dauernd Schönheit thematisiert.

3: Man kann dann das Schönheitsranking auf die Parteizugehörigkeiten hin auswerten und damit neue Aussagen bzw. neuen Fluff generieren, z. Bsp:
"Frauen: Mitte am attraktivsten"(20Minuten, Wil-Winterthur, 17.6.2013, p.7)
…gemeint sind - sie haben es gemerkt, geistreicher Leser - die Frauen aus der Mitte des Parteienspektrums natürlich.

Und man kann schliesslich
4: im Parlament ein paar unverbindliche Soundbites zum Thema Schönheit und Karriere und Innere Werte und Relativität einholen.

Voilà: halbe Seite gefüllt, einen möglichen Werbekunden bedient, etwas "Wissenschaftliches" berichtet und erst noch mit Parlamentariern geschwatzt.

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Mittwoch, 12. Juni 2013

abgefüllt und missbraucht "?"

Nicht viel los in der Welt heute, deshalb kann 20Minuten sich seinem Hobby widmen, dem Kochen, bzw. Köcheln. Gerne köchelt 20Minuten Geschichten über Jugendliche, Alkohol und sexuelle Übergriffe. Die Zutaten sind zu finden auf Seite 2 der heutigen Ausgabe:
a): Raunen, 2 Pfund
b): Hörensagen, 3-4 kleine Knollen
c): Nachbarschaftliches Werweisen, 4 gestrichene Messlöffel
d): einige Fragezeichen zum Drüberstreuen - weil ja nichts belegt ist.
e): Für den Nährwert: Bestätigung einer Jugendanwaltschaft, dass man ein Verfahren eröffnet hat.

Zuerst den Fragezeichentitel anrühren und für später beiseite legen:
"Zwei Mädchen mit Schnaps abgefüllt und missbraucht?"
Dann herumfragen. Kochen. Köcheln. Simmern:

"Im Dorf erzählt man sich, ..."
"Laut mehreren Aussag..."
"Einer der mutmasslichen Täter äussert sich gegenüber 20Minuten zum Vorfall. Es sei Alkoh..."
"Eine Freundin eines Opfers sieht das anders. 'Die Mädchen wurd...' "
"An der Schule ist auch die Rede von K.-o.-Tropf..."
"Die Familie eines der Mädchen hat eine Anwältin einge..."
"Im Umfeld der mutmasslichen Opfer ist man schockiert. 'Wir hab...'"
"Auch die Schule hat vom Vorfall Kenntn...".

Das ganze um ein etwas düsteres Foto herum anrichten ("Gemäss Zeugen trafen sich die Jugendlichen hinter dieser Schule"). Am Ende unterschreiben. Vier Köche: ANN/BAT/TAB/HAL

Muss das sein?
Wo Rauch ist, ist Feuer. Aber: Opfer und Täter sind zwischen 14 und 17 Jahren alt. 'Teenager', wie 20Minuten richtig schreibt. Die Jugendanwaltschaft ist eingeschaltet, ebenso die Opferhilfe, die Schule ist informiert. Die zuständigen Stellen tun, was für solche Fälle vorgesehen ist.

Warum muss 20Minuten diese Geschichte an alle Ostschweizer Bahnhöfe zerren?

Offenbar haben keine Behörden geschlampt, es wird nichts unter den Teppich gekehrt, keine Steuergelder werden verschwendet, niemand manipuliert mit falschen Zahlen die öffentliche Meinung oder macht krumme Versprechen - das wären legitime Ziele für investigativen Journalismus.

Aber 4 Jugendliche im Aargau?

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Dienstag, 4. Juni 2013

Sorgfalt & 20Minuten

20Minuten druckt heute auf S. 3 ein Korrigendum. Die Zeitung hat gestern wieder Informationen gebracht, die offenbar gar keine waren:
"Entgegen der Berichterstattung von gestern im Artikel 'Grünliberale wollen die Pendler zur Kasse bitten' würde eine Abschaffung des Pendlerabzuges bei den Bundessteuern nicht zu einer höheren durchschnittlichen Steuerbelastung von 1100 Franken, sondern nur von 70 Franken führen. Auch geht es den Grünliberalen nicht nur um Pendler im öffentlichen Verkehr, sondern auch - und vor allem - um jene, die mit dem Auto unterwegs sind." (20Minuten Wil-Winterthur, 4.6.2013, S. 9)
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Montag, 3. Juni 2013

Über Arbeiten

"Grossbritannien", schreibt 20Minuten heute auf Seite 2,
"tut sich schwer mit der Aufarbeitung des Soldatenmordes vor knapp 2 Wochen",
was zwei Demonstrationen von "rechtsgerichteten" und "linken" Demonstranten zeigen würden.

Dass dem Satz ein Wort fehlt - so wie er dasteht, hat die Aufarbeitung vor 2 Wochen stattgefungen  - ist ein Detail. Kein Detail ist: Ereignisse, die nur zwei Wochen zurückliegen, kann eine Gesellschaft nicht aufarbeiten; sie müssen sich nämlich erst mal setzen. Und dann ev. verdrängt werden. "Aufarbeiten" kann Grossbritannien den Falklandkrieg, die Troubles in Irland, seine Kolonialgeschichte, die Thatcher-Jahre.

Was aber 20Minuten machen könnte: Nach der ersten Niederschrift den Text nochmals lesen und Unstimmigkeiten ausbügeln. Dem sagt man Überarbeiten.

Ärgerlich am semantisch falschen Gebrauch der Wortgruppe "Aufarbeiten" ist nicht, dass dadurch ein Fehler in der Zeitung steht.
Ärgerlich ist, dass 20Minuten eine gesellschaftspolitische Diagnose stellt  und gleichzeitig nicht in der Lage ist, das zentrale Wort in dieser Diagnose korrekt zu verwenden.

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