Montag, 2. Dezember 2013

"besonders tragisch"

am Unfalltod des "Fast-And-Furious"-Schauspielers und "bekennenden Autofreaks" Paul Walker findet  20Minuten den Umstand, dass Walker den Unfall-Porsche gar nicht selber gesteuert hat, sondern Beifahrer des "Kollegen", Rennfahrers und ebefalls verstorbenen Roger Rodas war. Der Tod der beiden Männer ist traurig. "Tragisch" wäre die Art von Walkers Sterben, wenn der Mann Filme über Sicherheit auf der Strasse gemacht hätte; wenn er sein Leben dem Kampf gegen Raserei gewidmet hätte. Wenn er Spokesperson der american association for road safety gewesen wäre. Aber so? Tragisch? Weil er nicht selber am Steuer sass? Meine Güte, 20Minuten! Wenn schon ein Klischee, dann doch wohl Karma. (20Minuten, 2.12.2013,S.1, Wil-Winterthur)

PS: Erschreckend mittelalterlich ist die Walker-ist-tot-Berichterstattung des Blick am Abend (BLAM); allerdings hat BLAM zu dem Star auch eine besonders innige Beziehung aufgebaut, nämlich im Zweitausendzwölfi hat - so erklärt BLAM heute - eine BLAM-Reporterin mit Walker "über sein Innerstes" gesprochen und hat - so erinnert sich BLAM heute auf der Titelseite - von Walkers folgende Auskunft erhalten:
"Ich glaube, dass das Meer Teil meiner Seele ist".
Phew, das ist natürlich starker Tobak. Und hat sich die Reporterin gefragt, wie man diesen Seele-Satz  jetzt anlässlich des Todes weiterspinnen könnte und schreibt also (auf der Titelseite des BLAM):
"Am Sonntag ist seine Seele aus einem völlig zerstörten Porsche auferstanden, ist nicht mehr mit seinem Körper verbunden, für den ihn weibliche und männliche Fans bewunderten." (BLAM, 2.12.2013 S. 1, Winterthur-Wil)
Wow. Dass eine einzige Haupt-und-Nebensatz-Konstruktion das Leib-Seele-Problem, 300 Jahre westliche Aufklärung und 2000 Jahre christliche Theologie so nonchalant verstümpern kann, ist beeindruckend. Tröstlich ist, dass Walters Seele demnach bereits so lange vor dem jüngsten Gericht auferstehen durfte. Morgen im BLAM: Also doch: die Welt ist flach! Und übermorgen: Jesus - das grosse Interview: mein Leib gehört mir!

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Samstag, 3. August 2013

Ein Herz aus Flachbildschirmen

Halleluja! 20Minuten hat direkt unterm Dach des "Tamedia-Neubaus" seinen neuen Newsroom bezogen. Da darf man schon ein wenig in eigener Sache trommeln. Also: Er ist aus "Fichtenholz und Glas" gebaut. Entworfen hat ihn Shigeru Ban, der "japanische Stararchitekt", "der in den USA studiert hat". Er - der Newsroom - ist der "modernste Newsroom der Schweiz". Er hat ein "digitales Herzstück aus 20 Flachbildschirmen". Shigeru Ban "will nicht nur Prestigebauten für Reiche bauen. Schon seit Jahren engagiert er sich für Erdbebenopfer".

Vielleicht werden die vielen Flachbildschirme ja an der inhaltlichen Tiefe von 20Minuten etwas ändern.  Und nachdem Shigeru Ban mit dem 20Minuten-Newsroom einen weiteren Prestigebau für Reiche verwirklicht hat, wird er zum Ausgleich 20Minuten-freie Wartehäuschen bauen. Auf jedem Bahnhof von hier bis Genf. Oder Rorschach. Aus Glas und Fichtenholz. Und mit einem Cheminée. In dem man Gratiszeitungen verbrennen kann. Danke.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Wie-durch-ein-Wunder-Watch

20Minuten berichtet heute auf Seite 3, dass in Rapperswil gestern der oberste Balkon an einem Mehrfamilienhaus abgebrochen und in die Tiefe gestürzt ist. Dabei hat er auch die darunterliegenden Balkone mitgerissen. Augenzeugen werden befragt. Ein Foto wird gemacht. Natürlich könnte man jetzt einfach berichten, dass niemand verletzt wurde - aber nein:
"Beim Einsturz wurde wie durch ein Wunder niemand verletzt". (20Minuten, Wil-Winterthur, 11.7.2013, S. 3)
If it's free, you're not the customer; you're the product being sold. 

Dienstag, 9. Juli 2013

"Tiger belagern fünf Männer auf Baum

fünf Tage lang",
titelt heute 20Minuten auf Seite 10 im Ausland-Bund. Retter schafften es zunächst nicht, die Tiger zu vertreiben und es blieb nur eins: Sie
"boten lokale Experten auf. Diese sangen den Tigern Mantras vor, bis die Tiere davontrotteten" (20Minuten, Wil-Winterthur, 9.7. 2013, S. 10)
Dass die lokale Bevölkerung weiss, wie man mit freilaufenden Tigern umgehen soll, steht ausser Frage; dass es sinnvoll ist, dieses Wissen und den Erfahrungsreichtum zu nutzen ebenfalls. Aber die Verwendung des Begriffes "Experte" wirkt in diesem Kontext (Tiger, abgelegener Dschungel, Mantras singen) recht schräg.
20Minuten stand vor dem Problem, für das X in der Satzaussage 'X bewirkt Y' einen Begriff finden zu müssen. Die Tiger trotten davon, und die Verursacher dieses Ereignisses könnten wir nennen:

a: Bauern
b: Dorfälteste
c: Farmer
d: Jäger
e: Leute aus der lokalen Bevölkerung

oder

f: Experten

Jeder der Begriffe a-e ist sowohl ohne Beleg - eine Vermutung - als auch zu spezifisch. Deshalb zieht 20Minuten die 'Experten' aus dem Hut - nicht weil die Zeitung weiss, dass es welche sind, auch nicht, weil sie weiss, worin das Expertentum für so eine Situation bestehen würde, sondern weil ihr die Wörter fehlen. Und der Platz, etwas möglicherweise Komplexes mit mehr als einem Sammelfachbegriff zu benennen. Simsalabim.

If it's free, you're not the customer; you're the product being sold.

Montag, 8. Juli 2013

Wie-durch-ein-Wunder-Watch

"Das 'Fast-Wunder' von San Francisco"
titelt heute 20Minuten auf der Frontseite, weil bei der Bruchlandung einer Boeing von 307 Passagieren 305 überlebt haben, und doppelt im Text nach:
"Angesichts der Schwere des Unglücks grenzt es an ein Wunder, dass nicht mehr Menschen starben" (20Minuten, Wil-Winterthur, 8.7.2013, S. 1)
Können wir nicht einfach die Welt rational betrachten? Rational darüber informiert werden? Warum muss 20Minuten jedem mechanischen Ereignis ein mystizistisches Hütchen aufsetzen nur weil nicht jede darin verwickelte Person tot ist? Immerhin sind 2 Menschen gestorben, und mehrere sind sehr schwer verletzt - und deshalb, so wohl die Überlegung von 20Minuten, die neue Unterkategorie der "Fast-Wunder", die wir auch als 'Wunder-Grenzfälle' ansprechen können. Das 20Minuten-Universum gliedert sich damit in:

             a: Nicht-Wunder                   b:  Fast-Wunder               und c:   Wunder

Morgen berichtet 20Minuten dann über eine Beinahe-Ufo-Sichtung. So heisst die Sichtung eines Fast-Ufos - oder die Fast-Sichtung eines tatsächlichen Ufos. Man  hat sich auf der Redaktion noch nicht einigen können. Auf jeden Fall soll es da sein, das Ufo. Sonst hätte man es nicht beinahe gesehen.

Und nächste Woche liegt jedem 20Minuten als Gimmick ein Tütchen Sämlein bei. Die kann man aufs Feld streuen, oder ins Balkonkistchen, und daraus wachsen Kornkreise.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Samstag, 6. Juli 2013

Muslimbrüder begehren auf!

20Minuten berichtet am Mittwoch auf der Frontseite vom Putsch in Ägypten, wo Präsident Mohammed Mursi am Vortag vom Militär abgesetzt wurde:
"Der demokratisch gewählte Muslimbruder Mursi rief seine Anhänger dazu auf, friedlich gegen den Putsch aufzubegehren." (20Minuten, Wil-Winterthur, 3.7.2013, p.1)
Warum das Pauschalblatt 20Minuten ein derart differenziertes Wort gebraucht - aufbegehren - und nicht einfach demonstr- oder protestieren verwendet, ist schwer zu sagen. 'Aufbegehren' ist ein deutlich unneutraleres Wort als demonstr- oder protestieren; es beinhaltet eine Wertung, nämlich,  dass da jemand einen Mucks macht, der dazu nicht unbedingt berechtigt ist; dass da jemand ein wenig lauter wird, als es ihm zusteht; dass wer sich da wehrt, das auf eine etwas kindische Weise tut, jedenfalls nicht so, wie es üblich und anständig wäre.

Vielleicht haben die beratenden Arabisten auf der 20Minuten-Redaktion das Wort empfohlen, weil es Mursis Originalaussage am ehesten entspricht. Oder das Blatt hat wieder einfach jenes Wort aus seiner schmalen Werkzeugkiste geklaubt, das am ehesten nach einem Holzhammer aussieht.

If it's free, you're not the customer; you're the product being sold.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Steuern im Oh Thur-gau, du Hei-mat, wie bi-hist du so

20Minuten berichtet heute über die Steuerbelastung der Thurgauer. Demnach liegt der Thurgau
"im Schweizerischen Vergleich bei der Steuerbelastung auf dem 8. Rang; seit dem Jahr 2000 hat der Thurgau 10 Plätze gutgemacht." (20Minuten, Wil-Winterthur, 4. 7. 2013, p. 7)
Ob die Steuerbelastung im Thurgau zu- oder abgenommen hat, schreibt 20Minuten im Artikel nicht. Hauptsache ein Ranking.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Montag, 1. Juli 2013

Buchstäbliche Schlammschlacht

20Minuten fasst heute die Ereignisse am St.Galler Openair zusammen:
"Während der Freitag trocken blieb, fiel der Samstag buchstäblich ins Wasser". (20Minuten, Wil-Winterthur, 1. 7. 2013, S. 22)
Nein, tat er nicht. Zwar fiel der Samstag ins Wasser, aber nicht 'buchstäblich'. Sondern im übertragenen Sinn.

If it's free, you're not the customer; you're the product being sold.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Kutcher gleicht Jobs - ein Zufall?!

Im Sommer startet in den USA der Film über Steve Jobs, berichtet heute 20Minuten im Segment "Digital" auf S. 28, und stellt fest: "Darin sieht Hauptdarsteller Ashton Kutcher dem 2011 verstorbenen Technologiepionier in dessen Jugendjahren auffällig ähnlich"

Kann das ein in Zufall sein?! Oder hängt die 'auffällige' Ähnlichkeit damit zusammen, dass Herr A. Kutcher im Film den jungen Steve Jobs darstellt?! Und für die Aufnahmen - äxgüsi, den "Dreh" - entsprechend hergerichtet wurde?! Die einzig andere Erklärung wäre - und darauf spielt 20Minuten offenbar an - , dass die zwei Männer eine verheimlichte Blutsverwandtschaft verbindet. 

Fragen über Fragen. Das kann kein Zufall sein.

If it's free, you're not the customer; you're the product being sold.

Dienstag, 25. Juni 2013

"Hätte Ausschaffungsinitiative den Kindsmord verhindert?"

fragt 20Minuten heute auf S. 9. Gemeint ist die Ausschaffung des Mannes, der vor einigen Tagen während eines Polizeieinsatzes seinen 1-jährigen Sohn erstochen hat und den 20Minuten uns als "der 29-jährige Kindsmörder L.K." vorstellt.

Die 20Minütige These geht so:
Der Mann hatte vor 10 Jahren - als 19-Jähriger - einen Raubüberfall begangen. "Wären damals schon Ausschaffungsgesetzte nach dem Gusto der SVP in Kraft gewesen" - so formuliert 20Minuten - dann hätte der Mann die Schweiz für "bis zu 15 Jahre" verlassen müssen, und es "wäre womöglich nie zum tödlichen Drama gekommen".

20Minuten schiebt dann zwei Stellungnahmen nach, eine von rechts (Nationalrat SVP) und eine von links (Nationalrat SP). Und beide Nationalräte spielen das Gedankenexperiment mit, der eine, indem er einschränkt, es sei 'schwierig, einen Entscheid der Justiz mit fast zehn Jahren Abstand zu beurteilen' und es hätte möglicherweise damals 'strafmildernde Umstände' gegeben, der andere mit der Aussage: 'Der Mann wäre ausgeschafft worden und hätte entsprechen hier gar kein Kind zeugen und töten können' und weiteren Ausführungen über die Absicht der SVP, die Gesellschaft zu schützen.

Was beide Nationalräte auf die 20Minuten-Anfrage NICHT geantwortet haben, ist: 'Schämen sie sich, so eine dumme, gemeine, unanständige, sinnlose, kindische Frage zu stellen; schämen sie sich, aus diesem persönlichen Drama ein politisches Gedankenspielchen zu fabrizieren; ich werde mich auf dieses Gespräch nicht einlassen, schämen sie sich.' 

If it's free, you're not the customer; you're the product being sold.

Dienstag, 18. Juni 2013

"Kinder die Eltern prügeln über 200 Fälle letztes Jahr"

titelt heute 20Minuten auf Seite 2, natürlich mit einem Komma und einem Doppelpunkt, und beides an der richtigen Stelle. Dann sucht der Leser nach der Trendmeldung - immermehr, immerhäufiger, immerbrutaler. Weil der Trend aber abnehmend ist, muss 20Minuten, damit doch noch ein wenig alarmistische Stimmung aufkommt, zu einem formulatorischen Trickli greifen:
"Diese Attacke ist kein Einzelfall: Der Elternnotruf, eine Beratungsstelle für Erziehungsfragen und Familienkonflikte, zählte letztes Jahr 266 Meldungen wegen Gewalt von Kindern gegen ihre Eltern - deutlich mehr als 2011 , 2009 und 2008, aber weniger als im Rekordjahr 2010." (20Minuten, Wil-Winterthur, 18.6.2013, p.2)
Wir sehen: man muss einfach die richtigen Jahre miteinander vergleichen, und schon kann man berichten, dass es jetzt "deutlich mehr" Fälle sind.

Solche sog. Alarmismustrickli sind wichtig, sonst steht 20Minuten am Ende da mit Schlagzeilen wie:
Kinder, die Eltern prügeln: unter 300 Fälle letztes Jahr!
Und der Aussage im Fliesstext:
Die Zahl der Fälle nimmt seit dem Rekordjahr 2010 ab!
Und von sowas natürlich kann bloss eine anständige Zeitung leben.

If it's free, you're not the customer; you're the product being sold.

Wieviel wohl zahlt

die "Artemedic-Klinik für plastische Chirurgie und Dermatologie" in Olten für den freundlichen, kritiklosen Nachdruck des Schönheitsrankings von Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentariern im heutigen 20Minuten? Die Privatklinik hat das Ranking erstell, weil... Ja warum eigentlich?

Und 20Minuten übernimmt das Ranking weil - so eine "Wissenschaftliche Analyse" ins Beuteschema passt, denn:

1: Man kann eine Infografik bringen mit wissenschaftlichen Schönheitskategorien. Wissenschaftlich! Die einzelnen Items sind u. a: Dünneaugenlieder, Hohewangenknochen, Vollesymmetrischelippen, Glatterliedwangenübergang.

2: Man kann eine "Top-Ten"-Liste erstellen (Erster Rang Frauen: Frau P. Bruderer, SP; erster Rang Männer: Fathi Derder, FDP ). Top-Ten-Listen sind pflegeleicht. Spannender allerdings wäre die Bottom-Ten-Liste. Spannend, weil dann 20Minuten in ethisch schwieriges Gelände geriete und ein wenig argumentieren müsste, warum es dauernd Schönheit thematisiert.

3: Man kann dann das Schönheitsranking auf die Parteizugehörigkeiten hin auswerten und damit neue Aussagen bzw. neuen Fluff generieren, z. Bsp:
"Frauen: Mitte am attraktivsten"(20Minuten, Wil-Winterthur, 17.6.2013, p.7)
…gemeint sind - sie haben es gemerkt, geistreicher Leser - die Frauen aus der Mitte des Parteienspektrums natürlich.

Und man kann schliesslich
4: im Parlament ein paar unverbindliche Soundbites zum Thema Schönheit und Karriere und Innere Werte und Relativität einholen.

Voilà: halbe Seite gefüllt, einen möglichen Werbekunden bedient, etwas "Wissenschaftliches" berichtet und erst noch mit Parlamentariern geschwatzt.

If it's free, you're not the customer; you're the product being sold.

Mittwoch, 12. Juni 2013

abgefüllt und missbraucht "?"

Nicht viel los in der Welt heute, deshalb kann 20Minuten sich seinem Hobby widmen, dem Kochen, bzw. Köcheln. Gerne köchelt 20Minuten Geschichten über Jugendliche, Alkohol und sexuelle Übergriffe. Die Zutaten sind zu finden auf Seite 2 der heutigen Ausgabe:
a): Raunen, 2 Pfund
b): Hörensagen, 3-4 kleine Knollen
c): Nachbarschaftliches Werweisen, 4 gestrichene Messlöffel
d): einige Fragezeichen zum Drüberstreuen - weil ja nichts belegt ist.
e): Für den Nährwert: Bestätigung einer Jugendanwaltschaft, dass man ein Verfahren eröffnet hat.

Zuerst den Fragezeichentitel anrühren und für später beiseite legen:
"Zwei Mädchen mit Schnaps abgefüllt und missbraucht?"
Dann herumfragen. Kochen. Köcheln. Simmern:

"Im Dorf erzählt man sich, ..."
"Laut mehreren Aussag..."
"Einer der mutmasslichen Täter äussert sich gegenüber 20Minuten zum Vorfall. Es sei Alkoh..."
"Eine Freundin eines Opfers sieht das anders. 'Die Mädchen wurd...' "
"An der Schule ist auch die Rede von K.-o.-Tropf..."
"Die Familie eines der Mädchen hat eine Anwältin einge..."
"Im Umfeld der mutmasslichen Opfer ist man schockiert. 'Wir hab...'"
"Auch die Schule hat vom Vorfall Kenntn...".

Das ganze um ein etwas düsteres Foto herum anrichten ("Gemäss Zeugen trafen sich die Jugendlichen hinter dieser Schule"). Am Ende unterschreiben. Vier Köche: ANN/BAT/TAB/HAL

Muss das sein?
Wo Rauch ist, ist Feuer. Aber: Opfer und Täter sind zwischen 14 und 17 Jahren alt. 'Teenager', wie 20Minuten richtig schreibt. Die Jugendanwaltschaft ist eingeschaltet, ebenso die Opferhilfe, die Schule ist informiert. Die zuständigen Stellen tun, was für solche Fälle vorgesehen ist.

Warum muss 20Minuten diese Geschichte an alle Ostschweizer Bahnhöfe zerren?

Offenbar haben keine Behörden geschlampt, es wird nichts unter den Teppich gekehrt, keine Steuergelder werden verschwendet, niemand manipuliert mit falschen Zahlen die öffentliche Meinung oder macht krumme Versprechen - das wären legitime Ziele für investigativen Journalismus.

Aber 4 Jugendliche im Aargau?

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Dienstag, 4. Juni 2013

Sorgfalt & 20Minuten

20Minuten druckt heute auf S. 3 ein Korrigendum. Die Zeitung hat gestern wieder Informationen gebracht, die offenbar gar keine waren:
"Entgegen der Berichterstattung von gestern im Artikel 'Grünliberale wollen die Pendler zur Kasse bitten' würde eine Abschaffung des Pendlerabzuges bei den Bundessteuern nicht zu einer höheren durchschnittlichen Steuerbelastung von 1100 Franken, sondern nur von 70 Franken führen. Auch geht es den Grünliberalen nicht nur um Pendler im öffentlichen Verkehr, sondern auch - und vor allem - um jene, die mit dem Auto unterwegs sind." (20Minuten Wil-Winterthur, 4.6.2013, S. 9)
If it's free, you're not the customer; you're the product being sold. 

Montag, 3. Juni 2013

Über Arbeiten

"Grossbritannien", schreibt 20Minuten heute auf Seite 2,
"tut sich schwer mit der Aufarbeitung des Soldatenmordes vor knapp 2 Wochen",
was zwei Demonstrationen von "rechtsgerichteten" und "linken" Demonstranten zeigen würden.

Dass dem Satz ein Wort fehlt - so wie er dasteht, hat die Aufarbeitung vor 2 Wochen stattgefungen  - ist ein Detail. Kein Detail ist: Ereignisse, die nur zwei Wochen zurückliegen, kann eine Gesellschaft nicht aufarbeiten; sie müssen sich nämlich erst mal setzen. Und dann ev. verdrängt werden. "Aufarbeiten" kann Grossbritannien den Falklandkrieg, die Troubles in Irland, seine Kolonialgeschichte, die Thatcher-Jahre.

Was aber 20Minuten machen könnte: Nach der ersten Niederschrift den Text nochmals lesen und Unstimmigkeiten ausbügeln. Dem sagt man Überarbeiten.

Ärgerlich am semantisch falschen Gebrauch der Wortgruppe "Aufarbeiten" ist nicht, dass dadurch ein Fehler in der Zeitung steht.
Ärgerlich ist, dass 20Minuten eine gesellschaftspolitische Diagnose stellt  und gleichzeitig nicht in der Lage ist, das zentrale Wort in dieser Diagnose korrekt zu verwenden.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.


Freitag, 31. Mai 2013

Auf einem Fels im Atlantik

möchte ein Brite ausharren, und zwar 60 Tage lang, berichtet 20Minuten heute im Auslandbund auf S.15.
Dann zählt die Zeitung auf, was der Mann  für die zwei Monate an Ausrüstung mitnimmt und stellt fest:
"Bis zu einer halben Tonne Ausrüstung hat er dabei" (20Minuten, Wil-Winterthur, 31.5.2013, S. 15)
Das ist natürlich falsch. Es würde bedeuten, dass der Brite sich öfter bzw. immer wieder mal für 2 Monate auf den Felsen begibt und jeweils Ausrüstung mitnimmt, die das Maximalgewicht von 500 kg nicht übersteigt. Was 20 Minuten eigentlich sagen will, ist: "Fast eine halbe Tonne Ausrüstung hat er dabei"

Natürlich ein Detail. Und doch symptomatisch. Es geht um den Unterschied zwischen der Aussage über einen Einzelfall ("fast") und der Aussage über ein generelles Muster ("bis zu"). Und wie wir schon öfter gesehen haben, kann 20Minuten genau das nicht auseinanderhalten. Die Zeitung lebt von Generalisierungen - darüber nämlich kann man schön allgemein und unkonkret schreiben - und sieht überall Trends: immermehr, immerweniger, immerhäufiger, immerbrutaler.

Und so warten wir also auf Schlagzeilen wie diese:
Immer mehr Briten begeben sich auf einen Felsen im Atlantik!
oder:
Schweizer lesen am Morgen fast eine halben Tonne Käse!
oder vielleicht:
20Minuten enthält in der heutigen Ausgabe bis zu vier Informationen!
If it's free you're not the customer; you're the product being sold. 

Dienstag, 28. Mai 2013

"Es" passiert.

"SRF: Kandidat in Gefahr gebracht?" fragt 20Minuten heute auf S. 17 scheinbesorgt und diagnostiziert einen Beinahe-Unfall bei den Dreharbeiten zur "Schweizer Survival-Show 'Das Experiment'", wobei das Blatt gleich zu Beginn der Berichterstattung festhält, dass die Sendung im Fall "kein Kindergeburtstag" sei. Die Ausgangslage sieht so aus (zu den durchgestrichenen Wörtern weiter unten Genaueres):

Die Kandidaten müssen "den berüchtigten Fluss Maggia" durchqueren, wobei 20Minuten vorausschickt, dass es "in der Maggia schon mehrmals zu tödlichen Unfällen" gekommen und gerade "erst vor wenigen Wochen [...] ein 24-jähriger Mann in den Fluten" ertrunken sei.

Dass sie schon mehrere Menschenleben gefordert haben, ist aber für alle Schweizer Fliess- und Standgewässer wahr und für sich genommen deshalb keine Aussage über die spezifische Gefährlichkeit eines Gewässers; dafür müsste man die Menge der Todesfälle in Relation setzen zu einer anderen Menge - der Anzahl badender Menschen pro Zeiteinheit beispielsweise. Das natürlich kann 20Minuten nicht leisten.

20Minuten erklärt als nächstes, dass der Kandidat Raphael "nicht schwimmen" kann bzw. ein "Nichtschwimmer" sei - um dann weiter unten im Text den Kandidaten Raphael mit der folgenden Aussage zu zitieren: "Ich hatte dem Schweizer Fernsehen gesagt, dass ich ein schlechter Schwimmer bin".

Dass 20Minuten den Kandidaten Raphael entweder falsch zitiert oder falsch verstanden hat, ist aber nur marginal ärgerlich.

Richtig ärgerlich ist, dass 20Minuten offenbar denkt,
1: SRF verlasse sich auf die Schwimmfähigkeit der Kandidaten und sorge nicht mit Schwimmwesten, Sicherungsleinen und Sicherungspersonal für grösstmögliche Sicherheit, und
2: die Frage, wie gut man schwimmen könne, mache in einem schwierigen Fliessgewässer einen grossen Unterschied beim Überleben, und es sei vernünftig, sich ungesichert in ein schwieriges Fliessgewässer zu begeben, wenn man ein guter Schwimmer sei - zumal 20Min berichtet, die Wassertemperatur sei 3 Grad gewesen (= Nordatlantik bei Spitzbergen)

SRF nämlich macht das einzig Vernünftige: es behandelt alle Kandidaten, wenn sie in drei Grad kaltes Wasser steigen, wie potentielle Nichtschwimmer.

Aber weiter im Text:

"Dennoch" (nämlich obwohl in dem Fluss schon Menschen ertrunken sind) steigt also Raphael
"mit Sack und Pack in das knapp drei Grad kalte Wasser. Nach wenigen Minuten passiert es: Raphael bekommt Panik, verliert die Kontrolle und seine Kräfte. Er droht zu ertrinken. Ein Überlebensexperte fischt den Berner Kaufmann gerade noch rechtzeitig aus dem Wasser.
Quellangaben für diese Aussagen - dass der Kandidat Raphael 'zu ertrinken drohte' und dass die Rettung 'gerade noch rechtzeitig' erfolgte - liefert 20Minuten nicht und zitiert stattdessen den Kandidaten Raphale, nämlich mit den Worten "Ich hatte plötzlich den Boden unter den Füssen verloren und Angst bekommen", offenbar in der Meinung, dieses Zitat sein ein gutes Indiz für den kurz bevorstehenden Ertrinkungstod von Kandidat Raphael und nicht einfach Ausdruck seiner Panik in einer ihm bedrohlich scheinenden Situation.

Aus den weggestrichenen Manipulationswörtern und -wendungen kann man übrigens ein wunderbares Manipulationsgedicht machen, wenn man sie nicht wegschmeissen will:

berüchtigt.
schon mehrmals
in den Fluten,
erst vor wenigen Wochen.

dennoch!

nach wenigen Minuten passiert es:
Er droht zu ertrinken

gerade noch recht-
zeitig
!

Und ohne die Manipulationswörter liest sich der Bericht zugegeben unspannend - aber ev. näher an der Wahrheit?:
"Die Kandidaten müssen den Fluss Maggia durchqueren. Wie in allen Gewässern sind auch in der Maggia Menschen ertrunken, vor wenigen Wochen zum Beispiel ein 24-jähriger Mann. Raphael ist ein schlechter Schwimmer. Mit Sack und Pack steigt er in das knapp drei Grad kalte Wasser. Nach wenigen Minuten bekommt er Panik und verliert die Kontrolle und seine Kräfte. Ein Überlebensexperte fischt den Berner Kaufmann aus dem Wasser."

Vielleicht ist das Strohfeuer aber auch nur Werbung für die Sendung. Schliesslich wäscht eine Hand die andere.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Freitag, 24. Mai 2013

"mit Hackmessern massakriert / bestialische Enthauptung"

So informiert 20Minuten heute über den Mord an einem jungen Mann durch zwei "Islamisten". Natürlich könnte man über Umstände und Hergang des Mordes auch anders schreiben, weniger videogamig. Die Täter verwendeten ein Fleischbeil (Singular) und Küchenmesser, die Pluralform "mit Hackmessern" ist also faktisch falsch. Und wer hat beschlossen, dass der Mann nicht ermordet wurde, sondern dass ihn die Täter "massakrierten"? Wurde er nicht 'getötet' oder - wenn der Chefredaktor mehr Emotion fordert - 'regelrecht hingerichtet'? Und wer  hat der Redaktion berichtet, dass der Mord 'bestialisch' geschah ('a bestiality' auf englisch)? Oder hat die Redaktion das Wort aus eigener Initiative gewählt?  Das Wort ist an der Stelle grammatisch nicht nötig ("Grossbritannien steht nach der bestialischen Enthauptung eines Soldaten unter Schock"). 'Bestialisch' soll also eine Zusatzinformation geben, die dem Verfasser wichtig scheint.

Und dann dieser eigenartige Satz:
"Der 25-jährige Vater war zwar Soldat, spielte zuletzt aber nur noch in einer Militärkapelle." (20Minuten, Wil-Winterthur, 24.5.2013, S. 1) 
Will 20Minuten damit sagen, er war kein 'richtiger' Soldat? Er hat immerhin in Afghanistan Dienst geleistet, wie andere Zeitungen wissen. Und steht es 20Minuten zu, die genaue Funktion des Soldaten mit "zuletzt nur noch" zu werten? War Lady Di bei ihrem Tod 'nur noch' eine Ex-Prinzessin? Überhaupt  ist die starke Einschränkung im Satz mit Hilfe von gleich drei Konjunktionen augenfällig (zwar / aber / nur). Sie richtet sich offenbar gegen die Aussage der mutmasslichen Täter, sie hätten einen Soldaten töten wollen und ihre Tat sei die Reaktion auf Taten des Militärs in Afghanistan. Aber warum begibt sich 20Minuten auf das Argumentationsniveau der Täter ?

Der Artikel ist in der Wortwahl der Sache und dem Opfer gegenüber respektlos. Damit - weil er der Sache gegenüber respektlos ist - zeigt er auch gegenüber den Leserinnen und Lesern keinen Respekt. 2 Männer begehen einen Mord, den sie als politische Tat und als Beitrag an die Befreiung eines islamischen Landes ausgeben, den die übrige Welt aber als sinnlose Tat sieht. Muss man das als verbalen Video-Ego-Shooter berichten? Und hätte 20Minuten es so berichtet, wenn die Täter Weisse gewesen wären und das Opfer schwarz oder braun?

Glenn Greenwald über die Frage, ob man die Tat Terrorismus nennen kann

Apache gun camera

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Schlagzeilenkunst

Gutes Texthandwerk findet man heute im Blick am Abend auf S. 3:
Nämlich bei nur 10 Grad Temperatur wollen die Bienen nicht ausfliegen und ihren Bestäubungsauftrag erledigen, weshalb Obstbauern sich Hummeln zulegen. Das und viel mehr zum Thema Hummeln steht in einem kurzen, ohne Stolpersteine verfassten Text, gutes Deutsch, differenzierte Infos. Und der Titel? Verschmitzt, vielschichtig, bienenspezifisch:
Hummeln steigen für Bienen in die Hosen

Blick, I love you.

Mittwoch, 22. Mai 2013

6 Schlagzeilen...

Ausgesprochen spielerisch, kreativ, verschmitzt, wie 20Minuten heute redaktionelle und Werbe-Inhalte vermischlet und ineinanderlayoutet: Wer findet unter den 6 Schlagzeilen A-F die Werbezeile? (20Minuten, Wil-Winterthur, 22.5.2013, p.7)

A: PETITION FÜR POSTSTELLEN
B: GRAUER MAI: DER TOURISMUS LEIDET
C: JA ZU BUSLINIE 12 UND ROLLTREPPE
D: IN ST.GALLEN DER STAR UNTER DEN COFFEE-DRINKS
E: DEUTSCHER TÖFF-RASER MIT 146KM/H GEBLITZT
F: ZWEI VERLETZTE BEI UNFALL



Wo genau die Berichterstattung aufhört und die Werbung anfängt? Für 20Minuten keine weltbewegende Frage.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Dienstag, 21. Mai 2013

"erst "und "bereits"

oder: wie man Thesen stützt.

Unter der Anklage: "SINGELS TREIBEN DIE MIETEN IN DIE HÖHE" schreibt 20Minuten heute auf der Titelseite:
"Waren 1980 erst 28,9 Prozent der Privathaushalte Single-Haushalte gewesen, waren es 2010 bereits 36,4 Prozent, so die neuesten Zahlen des Bundes." (20Minuten, Wil-Winterthur, 21.5.2013, S.1)
Sehen wir ab vom originellen Gebrauch der Zeitformen. Warum sind 28,9 Prozent "erst", und 36,4 Prozent "bereits"? Ist ein Zuwachs von 7,5 Prozent Singelhaushalten über einen Zeitraum vom 30 (dreissig!) Jahren tatsächlich ein Trend, der sich von "erst" nach "bereits" bewegt? Ginge nicht auch: "1980 waren 'bereits' 28,9 Prozent der Privathaushalte Singelhaushalte; 2010 sind es nur knapp - bzw. 'erst' - 7,5 Prozent mehr"?

Aber nein. Zu komplex. 20Minuten will nicht denken, abwägen, ev. sogar auf einen Trend verzichten. Wo kämen wir hin wenn die Zeitung statt täglich "DIE WELT GEHT DEN BACH RUNTER!" zu schreien plötzlich schreiben müsste: "Trotz der grossen gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten 30 Jahre hat die Zahl der Singelhaushalte nur wenig zugenommen".

20Minuten will Veränderung konstatieren. Am liebsten solche zum Schlechteren. G'haue oder g'schtoche.

Und nur nebenbei, 20Minuten: Treiben Singels tatsächlich Mieten in die Höhe? Sind es nicht eher Hausverwaltungen und -besitzer, die Mieten festlegen? Und ist es der Zucker, der dich dick macht - oder deine Art zu leben? Tja, Fragen über Fragen.

If it's free, you're not the customer. You're the product being sold.

Freitag, 17. Mai 2013

"Märchen geht weiter: Schweiz im Halbfinal"

schreibt 20Minuten heute auf der Frontseite. Und fährt ganz in der Tradition grosser Geschichtenerzähler fort: Das Auftreten der Schweizer Eishockeyaner an der WM sei eine "unheimliche Erfolgsgeschichte" und diese um ein "wunderbares Kapitel" reicher.

"Märchen." "Unheimlich". "Wunderbar". Und wir haben erst die Schlagzeile und den ersten Satz hinter uns. Es geht aber nicht um Stiefmütter, Zwerge, Einhörner, Zaubertischchen oder Wölfe. Sondern: Die Schweiz spielt Eishockey, und sie spielt im Moment offenbar gut. 20Minuten kann uns das nicht wie erwachsenen Menschen berichten. Die Zeitung redet mit uns wie eine Grossmutter mit ängstlichen Kindern im finsteren Mittelalter. Denen man Lebenswahrheit mit Metaphern weitergibt, am Herdfeuer, abends, raunend - Märchen eben.

20Minuten - von der Eishockey-WM
berichtend
(Albert Anker via Wikimedia Commons)
If it's free, you're not the customer; you're the product being sold.

Mittwoch, 15. Mai 2013

"Schweizerin dreht mit Ronaldos Ex"*

- nämlich einen Bollywood-Film im Wallis, titelt 20Minuten heute im People-Segment. Und illustriert damit zwei Grundpfeiler der 20minütigen Weltsicht:

a) Man kann eine Person auf ihre Nationalität reduzieren. Doch, momoll, das geht gut.
b) Wie das Turiner Grabtuch oder Splitter vom wahren Kreuz sind Fussballerfreundinnen für sich genommen nichts wert, sondern erhalten Wert nur Kraft ihres Kontaktes mit dem Göttlichen - in unserem Fall Jesus bzw. Ronaldo.
c) Was einmal vom Göttlichen - in unserem Fall Jesus bzw. Ronaldo - berührt wurde, wird zur Reliquie (wobei Grabtuch, Splitter & Exfreundin zur zweiten von drei Reliquienkategorien gehören, den sog. "echten Berührungsreliquien") und bildet eine Brücke zwischen der diesseitigen, gegenwärtigen Welt und dem Göttlichen.

Ok, das waren DREI Grundpfeiler.

Was die Schlagzeile also macht: Sie schafft eine Verbindung zwischen Ronaldo und der Schweiz. Über eine etwas brösmelige Argumentationskette zwar (Frau mit Schweizerpass - Bollywood-Film - Exfreundin von Ronaldo), aber es ist der gute Wille, der zählt. Und ist dann schon fast so als würde Ronaldo beim FCZ tschutten.

Wie kleinmütig, wie minderwertigkeitskomplexig diese Haltung doch ist. Andererseits: jedes Volk hat die Zeitung, die es verdient.

If it's free, you're not the customer. You're the product being sold.

*(20Minuten, Wil-Winterthur, 15.5.2013, S.21)

Montag, 13. Mai 2013

We are the champions

bzw. "Wir sind die Superstars der Deutschen" grölt und lallt 20Minuten heute auf der Titelseite, schüttet dann Bier nach, rülpst, wischt sich mit dem Fan-Schal den Mund, rülpst nochmals, unsicher auf den Beinen, unsicher im Kopf.

Dass "Deutschland sucht den Superstar" von einer Sängerin gewonnen wurde, die einen Schweizerpass besitzt, reicht aber nicht. Nein, mit Beatrice Egli
"gewinnt die Schweiz die zweite Staffel von 'Deutschland sucht den Superstar' in Folge." (20Minuten, Wil-Winterthur, 13.5.2013, S.1)
Es war offenbar ein Länderturnier. Und 'wir' sind offenbar besser als Deutschland. Das ist es, was in die Welt hinaus muss - findet das Blatt, das sich rühmt, unter Schweizer Führungskräften das meistgelesene zu sein. Ist dieses Fixiertsein auf Länderwettkämpfe auch dort, wo gar keine stattfinden, schon chauvinistisch oder noch infantil?

Immerhin findet die Zeitung - nebst zwei Werbebannern für Fastfood und Immobilien - noch für eine zweite Schlagzeile Platz auf der Titelseite: "Drei Tote: Bluttaten erschüttern Schweiz".

So durchquert also der Pendlerzug nach Winterthur heute Morgen ein Land, das siegestrunken und bluttatenerschüttert die neue Arbeitswoche in Angriff nimmt, unsicher im Kopf, kognitiv dissonant, mit Infos entertained.

If it's free, you're not the customer. You're the product being sold.

Mittwoch, 24. April 2013

"Immer weniger Buben schaffen!

es ans Gymi" meldet 20Minuten heute auf der Frontseite. Das Thema ist eine Goldgrube: es ist ein Trend ("immer mehr/weniger/häufiger/seltener/"), es gibt haufenweise Experten (den Lehrerinnenverbandspräsidenten Beat 'In-unserem-Schulhaus-musste-ein-Teil-der-Bubentoiletten-zu-Mädchentoiletten-umfunktioniert-werden' Zemp, den Präsidenten des Vereins Männer.ch Markus 'Buben-lernen-anders-als-Mädchen' Theunert und den St. Galler Mittelschul-Amtsleiter Christoph 'Es-würde-mich-reizen-,-einen-Versuch-zu-starten-und-wissenschaftlich-zu-begleiten' Mattle), und jeder kann zu allem eine Meinung haben, ohne etwas belegen zu müssen, z. Bsp: Liegt wirklich ein Trend vor? Ist ein Mädchenanteil von "über 55%" wirklich alarmierend? Ist Russlands Schulsystem wirklich ein gutes Vorbild?
Angst macht dann aber die Drohung von 20Minuten auf der Titelseite: "20Minuten startet heute bei den Usern eine grosse Umfrage, wie man das Schulsystem modernisieren könnte".

Bitte nicht noch moderner. Und bitte nicht von 20Minuten-Onlinern geplant.

Dienstag, 23. April 2013

Donnerstag, 18. April 2013

Knaller und Bomber

Unfreiwillig unsensibel - und berückend poetisch. Blick, Bahnhofunterführung Wil, Donnerstag, 18.4.2013

Dienstag, 16. April 2013

Leader bei den Leadern (und den Top-Leadern!)

ist 20Minuten offenbar gemäss Wemf ("AG für Werbemedienforschung). Die Wemf - so informiert 20Minuten weiter - ermittelt nämlich alle 2 Jahre die "Lesegewohnheiten von Menschen [...] die mehr als 100000 Franken verdienen und eine Kaderposition innehaben". Und 20Minuten bringt es in diesem Segment auf die im Vergleich mit allen Schweizer Printmedien grösste Reichweite, nämlich 38 Prozent.

Was genau "lesen" in diesem Kontext bedeutet, deutscht 20Minuten nicht weiter aus - dafür überschüttet Chefredaktor Marco Boselli sein Blatt (und implizit sich selbst) mit Lob bzw. bewirbt seine von Werbung finanzierte Werbeplattform:
 " .... mit dem für uns typischen ... schnellen und unterhaltsamen ... Informations- und Recherchejournalismus... Qualitätsstandard gesetzt ... von Leadern und Top-Leadern geschätzt..."
M. Boselli lehnt sich mit seinem Weihrauchfässchen dabei recht weit aus dem Fenster, denn es ist unklar, ob die Wemf-Studie tatsächlich  die Präferenzen von Leadern und Top-Leadern je separat erhebt und ob der Umstand, dass sie es lesen tatsächlich den Schluss zulässt, dass Leader das Blatt auch schätzen.

Nach der ersten Frustration darüber, dass die Schweiz wirtschaftlich und politisch offenbar von Menschen mit recht niedrigen Ansprüchen und ohne Qualitätsbewustsein geführt wird, kommt der Medienwissenschaftler Björn von Rimscha (Uni Zürich) zu Hilfe: Nämlich 20Minuten zitiert ihn mit der Aussage (und schiesst sich damit selber in den Fuss):
"Leader müssen wissen, was Follower beschäftigt. In diesem Sinne ist die Lektüre von 20Minuten Pflicht für Führungskräfte"
Touché, Mr. Bond.

Und Alexander Tschäppät (SP) und Doris Fiala (FDP) und Natalie Rickli (SVP)? Sie werden sich hüten, dem grössten Deutschschweizer  Stimmungsmacher in die Suppe zu spucken und winden sich in ihren Stellungnahmen zum tollen Resultat mit Formulierungen, die als Lob durchgehen können und doch ein Hintertürchen offen lassen:
"Immer wenn ich Zug fahre, schnappe ich mir ein 20Minuten. [...]" (Ricklin)
"Als Politikerin kann ich gar nicht auf 20Minuten verzichten." (Fiala)
"[20Minuten] gibt mir einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen [...]" (Tschäppät)
Bleiben zum Schluss Herbert Bolliger und Jürg Schmid, die ebenfalls einen Kommentar abgeben. Und was können der Chef der Migros und der Direktor von Tourismus Schweiz wohl für einen Eindruck haben von einer Zeitung, deren existentieller Kern das Verkaufen ist?

Eben.

Alle Zitate: (20Minuten, 16.4.2013, Wil-Winterthur, S. 2)

If it's free, you're not the customer. You're the product being sold.


Dienstag, 9. April 2013

"Der Frühling steht endlich vor der Tür"

stellt 20Minuten heute, am 9. April 2013, auf der Titelseite fest. Nur: Dass er vor der Tür steht, der Frühling, hat jeder gewusst und niemand bezweifelt. Das Problem mit dem Frühling dieses Jahr ist, dass er nicht reinkommen will. Das Problem mit 20Minuten jedes Jahr ist, dass die Zeitung das Eine nicht vom Andern unterscheiden kann. (9.4.2013, Wil-Winterthur, S. 1)

Montag, 8. April 2013

Paarhufer

- und zwar eine ganze Herde - haben mich heute früh beim zMorgen besucht. Fast hätte ich 20Minuten angerufen und mich als Leserreporter beworben; aber dann habe ich sie einfach friedlich grasen lassen:


Donnerstag, 4. April 2013

Kult-Regisseur dreht Werbespot!!!

Tessin Tourismus, so steht's im 20Minuten heute, arbeitet an einem Werbespot für widerspenstige Deutschschweizer. Regelmässige 20Minuten-Leser treffen im Artikel auf einen alten Bekannten, nämlich:
"Den Werbespot hat Kult-Regisseur Michael Steiner ("Grounding", "Mein Name ist Eugen", "Missenmassaker") [...] gedreht". (20Minuten, 04.04.2013 Wil-Winterthur, S. 13)
Für Steiner maulwurfen offenbar in der 20Minuten-Redaktion mehrere IMs, anders ist die hohe Dichte an Steiner-News nicht zu erklären. Und wenn es einem IM gelingt, *Steiner* und *Kult* und *Regisseur* im gleichen Satz unterzubringen, so darf er zum Lohn ein Wochenende in den Westen. In die BRD. Bananen kaufen gehen und guten Kaffee.

Mittwoch, 3. April 2013

Wie ein Drogenrausch

sei der Film "Holy Motors" von Leos Carax, findet 20Minuten. Nicht ganz auf das Niveau eines Drogenrausches bringt es die Besprechung des Films. Sie - die Filmkritik - erinnert an ein kleines Holztürmchen aus Allgemeinplätzen, mit einem joghurtweissen Fähnchen obendrauf - einem Fähnchen aus weltweisem Geraune. Hören wir also zu:
"Oscar ist alleine, nur Celine begleitet ihn. Was soll das alles? Nun, "holy Monster" ist ein Film wie ein Drogenrausch. Er verstört, irritiert, begeistert. Für Leute, die in einem Film Antworten suchen, ist er nicht gemacht. Diese Welt des Monsieur Oscar ist so hinzunehmen, wie sie ist. Wenn man sich darauf einlässt, wird man aber mit allerlei Humor und Poesie belohnt." (20Minuten, 02.04.2013, S. 15, Wil-Winterthur)
Wer begleitet wird ist nicht *alleine*, niemand sucht in einem Film *Antworten* - dafür gibt's die Zentralbibliothek und Google -, *verstört, irritiert, begeistert*  sind Plakativwörter, mit denen man in Stadtzürcher Liegenschaften bereits Wohnungen tapeziert, *allerlei Humor und Poesie* liegt gefährlich nah bei *ein bunter Strauss  von Volkstümlichen Schlagern*, und *... ist so hinzunehmen, wie sie ist* schreibt, wer auswegslos nichts mehr zu sagen weiss und sich trotzdem klüger findet. Klüger nämlich als die Leser.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

ein Dänisch-Plunder

"Hej! 20 Minuten spricht jetzt auch Dänisch"*
meldet 20Minuten heute auf Seite 2 . Iritierend daran ist das "auch", suggeriert es doch, dass 20Minuten nebst Dänisch noch andere Sprachen spricht, z. Bsp. Deutsch.

*(20Minuten, 03.04.2013, S. 2. Wil-Winterthur)

Mittwoch, 27. März 2013

Wortsinn, wahr

20Minuten macht uns heute den Frühling mies, nämlich
"das Eiersuchen im Freien an Ostern fällt [...] im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser: im Flachland gibt es nämlich laut den Prognosen weit verbreitet Regen(...)" (20Minuten, 27.3.2013, Wil-Winterthur, S. 2)
Nicht im übertragenen Sinne also fällt die Eiersuche ins Wasser dieses Jahr, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Und der wahrste Sinn des Wortes "ins Wasser fallen" ist: etwas fällt - d. h. wird durch die Erdanziehungskraft in Bewegung gesetzt - bis es in einer Wassermasse landet. Gemäss 20Minuten also wird es - das Eiersuchen - dieses Jahr, beschleunigt von der Erdanziehungskraft, in Richtung Erdmittelpunkt fallen bis es von einer Wassermasse abgebremst wird.

Hmmm. Relativ unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass dieses Jahr recht wenige Menschen im Freien eine Eiersuche organisieren. Es soll nämlich regnen. Damit fällt die Eiersuche aber nicht im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Sondern im übertragenen Sinne. Und um das auszudrücken, kann man schreiben: Die Eiersuche im Freien fällt dieses Jahr vermutlich ins Wasser. Es regnet nämlich. Jeder versteht die Anspielung. Wir sind nicht blöd.

Die Gratiszeitung 20Minuten übrigens ist im wahrsten Sinne des Wortes wertlos.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.


Freitag, 22. März 2013

Es wird Frühling, die Wände blühen auf!


Drama in Mensa, bzw.

" Menznau: So lief das Drama in der Mensa"
titelt heute 20Minuten. Natürlich fand das Drama aber in einer "Kantine" statt - wie 20Minuten ganze 17 Wörter weiter unten dann auch klarstellt. Eine Mensa ist für Studierende & Geistesarbeiter an einer Bildungsinstitution; die Kantine versorgt Leute, die richtig arbeiten. Die Frage, wo sich 20Minuten-Redakteure und -Innen verpflegen, schieben wir für den Moment beiseite. Interessant ist nämlich, dass 20Minuten nach der titelseitigen Schizophrenie auf Seite 2 dann hyperdifferenziert wird: Der Schütze hat nicht irgendeine, sondern die "Nichtraucherkantine" angesteuert - damit sind endlich alle Spekulationen aus dem Weg geräumt, wonach der Amoklauf eventuell in der Raucherkantine "lief" (yep, "lief", nicht "ablief" oder "sich ereignete").

à propos Spekulation: Die Vermutung, dass es - wie 20Minuten gleich am Tag nach der Schiesserei auf der Titelseite spekulierte - bei dem Ereignis Helden und Heldentaten gegeben hätte, scheint endgültig ausgeräumt. Es war einfach eine traurige, tragische Sache - und eigentlich braucht sie keine Helden.

Womit wir bei der Frage sind, wo sich die 20Minuten-Redaktion verpflegt. Vermutlich in einer *Mentine* oder eventuell in einer *Kansa* - oder wie auch immer der Verpflegungsort heisst für Menschen, die weder viel denken noch richtig arbeiten.

(alle Zitate: 20Minuten, 22.03.2013, Wil-Winterthur, S.1f)

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Donnerstag, 21. März 2013

Wie-durch-ein-Wunder-Watch

"Wie durch ein Wunder"*
überlebt ein Hausbewohner die Zerstörung seines Hauses, berichtet 20Minuten heute. Dies obwohl die Explosion eines Pickup-Trucks voll Sprengstoff das Haus fast vollständig "wegriss". Der Mann befindet sich in kritischem Zustand.

Also: Schwerverletzt nach Hauseinsturz - liegt da die Messlatte für Wunder nicht etwas gar tief?

Und ebenfalls heute und auf der selben Doppelseite meldet 20Minuten noch mehr potentiell Übersinnliches, denn
"nur dank sehr viel Glück"*
wurde bei der führerlosen Fahrt eines Trucks auf der A6 in Baden-Württemberg niemand verletzt. Wer genau den Umstand zertifiziert hat, dass viel Glück im Spiel war, meldet 20Minuten nicht. Aber es ist schon geheimnisvoll, wie bei all den Katastrophen immer wieder Menschen überleben. Nicht nachvollziehbar.

*(20Min, 21.03.2013, Wil-Winterthur, p. 3)

If it's free you're not the customer; you're the product being sold

Mittwoch, 20. März 2013

Pöstler! liess! Paket mit Urne!!! vor Haus!! stehen!

titelt 20Minuten heute, nur mit weniger Ausrufezeichen. Die Urne war vom Krematorium Zürich per Express unterwegs zur Witwe des Verstorbenen. Die Witwe findet:
"Der Pöstler hat das Paket einfach vor das Mehrfamilienhaus gestellt - ungeschützt vor Regen und Schnee an einer viel befahrenen Strasse. Er hätte doch merken müssen, was drin war. Wie konnte er denn so herzlos damit umgehen?"(20Min, 20.03.2013, Wil-Winterthur, p. 3)
20Minuten macht keinen einzigen Grammatikfehler und lässt auch die Semantik zufrieden, und der einzige Vorwurf an die Zeitung ist heute, dass a): der Artikel überhaupt erscheint und b): er das Verhalten des Pöstlers zum Thema macht, statt c): zu fragen, wie eine Frau auf die Idee kommt, sich die Asche ihres Mannes per Post schicken zu lassen statt sie im Krematorium ab- und heimzuholen. Und sich dann über fehlende Pietät seitens Dritter beschwert. Es ist eine sehr 20minütige Haltung. Deshalb vermutlich berichtet die Zeitung darüber.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Freitag, 15. März 2013

eine Zerrung der Berner Polizei

Seit Tagen hat 20Minuten ein Chäferfest! Der Berner "Heiler" steht vor Gericht; der Mann soll willentlich Menschen mit dem HI-Virus angesteckt haben. Der Heiler weigert sich seit gestern, zur Verhandlung zu erscheinen und die Polizei erhält vom Richter den Auftrag, den Mann

a) ... dem Gericht zuzuführen
b) ... ins Gerichtsgebäude zu bringen
c) ... abzuholen und dem Richter vorzuführen
d) ... zur Verhandlung zu bringen
oder  die Lösung von 20Minuten, nämlich e):
"Darauf rückte die Polizei aus. Ihre Mission: den selbst ernannten "Heiler" an seinem Wohnort in Bern abholen und vor Gericht zerren." (20Min, 15.03.2013, Wil-Winterthur, p. 2)
Uii, da hat jemand die wörtliche und die übertragene Bedeutung eines Ausdruckes, einer stehenden Wendung, durcheinandergebracht. *Vor Gericht zerren, jemanden* heisst etwas anderes als das, was die Berner Polizei mit dem Heiler zu tut angewiesen wurde. Wer jemanden vor Gericht zerrt, strengt einen Prozess gegen die Person an. Die Wendung ist leicht negativ gefärbt und drückt aus, dass die zerrende Partei vom Sprecher aus gesehen unverhältnismässig reagiert hat und den Prozess wegen einer Lappalie führt.

Auch wenn man das nicht weiss müsste man es doch spüren: dass zerren an dieser Stelle nicht funktioniert, setzt ungefähr so viel Sprachgefühl voraus wie die Fähigkeit, nicht mit "Schafseckel!" zu danken, wenn Ihnen nach dem Niesen jemand "Gesundheit!" wünscht.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.


Wie-durch-ein-Wunder-Watch

"Wie durch ein Wunder"*...
hat sich gestern Morgen eine Frau bei Baar nur leicht verletzt, als sie die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und "45 meter durch den Wald(...) schleuderte", schreibt 20Minuten heute. Die Frau war zudem schwanger. *(20Min, 15.03.2013, Wil-Winterthur, p. 10)

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Donnerstag, 14. März 2013

Kevin ist eine Runde weiter!...

...titelt 20Minuten heute natürlich nicht. Und kein Wort über das schlechte Abschneiden von Team Bischof Koch oder einen möglichen Zickenkrieg im Konklave! (Hat sich dieser Blog also gestern mit Prognosen zu weit aus dem Fenster gelehnt).
Aber etwas geistig einfach gestrickt ist der 20Minuten-Blick auf die Papstwahl schon: Wie der erste Satz im Artikel zeigt, findet das Hofblatt der Schweizer Missen- und Misterwahlen in wirklich jedem Weltereignis einen Kampf ums Krönchen:
"Jorge Mario Bergoglio hat es geschafft - obwohl er mit 76 Jahren und einer etwas gebrechlichen Gesundheit eher als Aussenseiter in die Papstwahl ging." (20Min, 14.03.2013, Wil-Winterthur, p. 2)
Oder es war so: Weil die gesamte 20Minuten-Redaktion gestern schon im Häkelunterricht war als aus der Sixtina das weisse Räuchlein stieg, musste der sportbegeisterte Abwart die Papstwahl-Ausgabe ganz alleine besorgen und hat sich gesagt: Was für ein Drama! Aussenseiter, schon fast abgeschrieben! Vermutlich ausser Form und mit leichtem Übergewicht! Will nochmals den Titel! Das wir unser Lead!

Zur Zeit - berichtet die 20Minuten-Kulturabteilung voraussichtlich morgen - verhandelt Stallone mit dem Vatikan über die Filmrechte. Der Titel? Sankt Rocky! Der Fels, auf dem er seine Kirche bauen will!

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Mittwoch, 13. März 2013

Prognose Papstwahl

Heute, am Tag der Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio zum Papst (Papst Franziskus) wagen wir eine Prognose: 20Minuten, die offizielle Zeitung der Miss- und Mister-Schweiz-Wahl, wird sich morgen vor allem dafür interessieren, warum es der Schweizer Bischof Koch "nicht geschafft" hat, und welcher Dieter-Bohlen-Kardinal Schuld ist.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Naturgefahr Dachlawine

20Minuten läutet die Alarmglocken. Wieder bricht das Animalische, das Fremde, Bedrohliche in unseren gut geölten Alltag ein:
In St. Gallen rumort es: während der letzten zwei Tage hörte man immer wieder rumpelnde Geräusche von Dachlawinen, die plötzlich auf die Strasse donnerten. Eine veritable Naturgefahr mitten in der Stadt: Die Lawinen bestehen teils aus kiloschweren Eisbrocken. (20Min, 08.03.2013, Wil-Winterthur, p. 2)
Dachlawinen setzen ein Dach voraus, und Dächer  gehören nicht zum Reich der Natur sondern sind ein Kulturgut. Dachlawinen gehören also zur Stadt, und sind nicht eine Naturgefahr, die von aussen kommt - zum Beispiel vom Wald, oder aus dem Gebirge. Liest man den Satz so, dass "Naturgefahr" sich nur auf das Nomen "Eisbrocken"bezieht, dann bleibt das Problem, dass damit keine Naturgefahr identifiziert ist. Also: Eisbrocken an sich sind keine Naturgefahr, und wenn sie vom Dach fallen, sind sie nichts stadtfremdes. Das Äquivalent im Naturreich wäre zudem Stein- oder Eisschlag und nicht eine Lawine. Auf jeden Fall können wir die Aufregung abblasen: keine veritable Naturgefahr mitten in der Stadt. Eine Stadtgefahr. Stadttypisch. So fies.

If it's free you're not the customer; you're the product being sold.

Donnerstag, 7. März 2013

pompöse Zeitung

Auf der Frontseite informiert 20Minuten heute über die Ereignisse in Venezuela:
"Grosses Geleit für Hugo Chavez: zehntausende nehmen unter Tränen Abschied vom venezolanischen Präsidenten, der bis Freitag aufgebahrt und dann im Rahmen eines pompösen Staatsbegräbnisses beigesetzt wird."*(20Min, 07.03.2013, Wil-Winterthur, p. 1)
Hat nicht das Adjektiv pompös einen deutlich spürbaren Beigeschmack (negativ konnotiert)? Kann es anders verwendet werden als wenn man etwas als übermässig bombastische, übermässig selbstgefällige Feierlichkeit kritisieren will?  Kommt es nicht einer Vorverurteilung gleich, wenn man etwas als pompös bezeichnet, das noch nicht geschehen ist? Und schliesslich: Die Beisetzung eines demokratisch gewählten Staatspräsidenten, dessen Tod von vielen Bürger betrauert wird, und aus tiefem Herzen betrauert wird, unbesehen als bombastische Selbstgefälligkeit zu bezeichnen - ist das nicht einfältig?

20Minuten würde alle diese Fragen mit ja beantworten. Und doch...

Samstag, 2. März 2013

Wochenende. Wir haben 20Minuten-frei...

... und deshalb hier einige wirklich intelligente Ansichten (die man nicht teilen muss).

Addendum "Kranzschwinger-Held"

Wie der Samstagsblick meldet, hat der Kranzschwinger tatsächlich versucht, den Amokläufer zu stoppen. Und "Blick" hat mit seiner Heldenschlagzeile gewartet, bis der Hergang des Amoklaufes einigermassen klar war: vom Ereignis am Mittwoch immerhin bis zur Samstagsausgabe. Also, 20Minuten, so macht man das anständigerweise; abwarten statt uninformierte Emotionssuppe kochen!*
(Und was mich besonders ärgert: dass man im 20Minuten-Zeitalter schon den "Blick" als Beispiel für anständigen Journalismus vorzeigen kann)

*(vergl. unten: "Wollte Kranzschwinger Amokläufer stoppen?")

Donnerstag, 28. Februar 2013

"Wollte Kranzschwinger Amokläufer stoppen?"*

fragt 20Minuten heute in seiner täglichen Schlagzeile. Natürlich hat die Schlagzeile nichts mit den Ereignissen in Menznau zu tun, wo drei Menschen beim Amoklauf eines Arbeiters der Holzfirma Kronospan gestern ihr Leben verloren haben, darunter besagter Kranzschwinger, und natürlich ist die Frage nicht ernst gemeint, denn keine der Informationen, die 20Minuten vorliegen, deuten darauf hin, dass der Schwinger ein Held sein wollte:
"Die Kugeln verletzten sieben Mitarbeiter teils schwer, zwei weitere - die Mutter C.N. (43) und der Kranzschwinger Benno Studer (26) - fanden den Tod. Der gelernte Schreiner war möglicherweise eine der mutigen Personen, die sich Viktor B. in den Weg stellten. "Mehrere Mitarbeiter gingen auf ihn los", sagt ein Leserreporter. Andere bestätigen dies."
*(20Min, 28.02.2013, Wil-Winterthur, p. 2)
So, so, "möglicherweise" also. NIEMAND hat gesehen, wie der Kranzschwinger sich jemandem in den Weg stellt. Das zentrale Stück Information - Mitarbeiter gingen auf in los - stammt von einem anonymen Leserreporter, basiert auf Hörensagen - es sei denn, der Leserreporter war bei der Schiesserei anwesend, in welchem Fall man ihn *Augenzeuge* nennen müsste - und sagt nichts über den Kranzschwinger aus. Der Nachsatz "Andere bestätigen dies" ist in seiner Vagheit ein Indiz dafür, dass wirklich kein Sachverhalt vorliegt und der Verfasser der Story ohne Hosen schreibt.

Solche Schlagzeilen sind die Reflexbewegung einer Zeitung, die Tragisches, Schlimmes nicht darstellen kann als das, was es ist - tragisch und schlimm - sondern einen Thrill generiere muss, eine Story, ein Filmli - Unterhaltung eben.
Mit gleichem Recht darf, wer unter seinen Bekannten Zeitungsleser a.k.a. Leserreporter finden kann, die sich den entsprechenden Sachverhalt ev. vorstellen und ihre Meinung anonym auch äussern mögen, fragen:

War mörderischer Amokläufer ein 20Minuten-Leser?!

oder:

Ist 20Minuten die Pferdefleischlasagne der Schweizer Zeitungslandschaft?!

*(20Min, 28.02.2013, Wil-Winterthur, p. 1)


If it's free you're not the customer. You're the product being sold.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Schinken auf Mazze *

Hunger auf dem Heimweg! Hopp in die Sprünglifiliale am Bahnhof!
"Eine Fastenwähe bitte."
"Haben wir heute nur noch mit Bresola, leider"
"Bresola!? Sie meinen... Fleisch?"
"Ja, Fleisch"
"Aber, Fastenwähen sind doch ein Fastengebäck. Immerhin etwas, das Sprüngli nur zur Fastenzeit macht. Und Bresola ist Fleisch. Ich meine ... FLEISCH."
Wir kommen überein, dass es tatsächlich ein Widerspruch ist, aber es verkaufe übrigens auch der Coop Fastenwähe mit Fleisch. Und als sie mir das Retourgeld gibt, sagt die Verkäuferin:
"Eigenartig, Ich habe mir das so noch nie überlegt."
Gekauft habe ich ein Butterbretzeli. Etwas salzig. Und 20Minuten kann nichts dafür.

*heisst das Buch v. Ch. Haller & E. Schneid, erschienen Anfang 1990er-Jahre

Sonntag, 24. Februar 2013

Kontrastprogramm

Wochenende. 20Minuten-frei. Schauen wir uns die alten Fotos eines Kindermädchens an:

Wir sind traurig und empört!

- bzw 20minuten ist. M13 nämlich, der sympathische Schlagzeilengenerator und kindlifressende Kontroversenliferant, ist tot. Gemordet von einem Bündner. Kein
"m13 auf Schulplatz: Poschiavo in Angst"*
*Ausrufezeichen*, kein
"Einbruch in Chalet - droht m13 Abschuss"*
*Fragezeichen*, kein
"Problembär entpuppt sich als "Bärlock Holmes"*
*Augenzwinker* mehr.

20 Minuten druckt in einem Anflug von Sentimentalität die ehemaligen Schlagzeilen auf Seite 3 der heutigen Ausgabe nochmals ab - neben einem Bericht über die Empörung, die der Abschuss unter den 20Minuten-Online-Usern ausgelöst hat - und der anscheinend allgemeinen Erleichterung im Püntnerland. Aber was soll anderes entstehen als grosse Empörung, wenn man sich mit tendenziösen Schlagzeilen Leser heranzüchtet, die den Bären dann durch die Schlagzeilenbrille wahrnehmen. Was soll anderes entstehen als grosse Angst, wenn man die Begegnung zwischen Bär und Mensch so stark dramatisiert wie 20 Minuten kürzlich in seinen Berichten über die Begegnung zwischen einem Mädchen und dem Problembären (niemand berührt, angeknurrt oder verletzt)?
Damit ein Bär in der Schweiz Platz hätte, bräuchte es Aufklärung, Information, Bildung, Entdramatisierung. 20Minuten kann das alles nicht leisten. Sorry, information is not our job, thank you very much.

*(20Min, 21.02.2013, Wil-Winterthur, p. 3)


If it's free you're not the customer. You're the product being sold.


Dienstag, 19. Februar 2013

das Unfassbare

20Minuten meldet auf der Titelseite heute unter der Schlagzeile
"Schlammlawine spült Auto in See" (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 1),
dass zwei Autoinsassen letzte Nacht grosses Glück hatten; im Lead zum eigentlichen Artikel auf Seite 3  ist aus der Schlammlawine dann ein Erdrutsch geworden, der nicht mehr spült, sondern reisst:
"Ein Erdrutsch riss ihren Wagen in den Thunersee" (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 3)
Da haben zwei unterschiedliche geologische Phänomene am Thunersee letzte Nacht offenbar zusammengefunden und gespült und gerissen. Sie sind zwei Menschen begegnet, die nach Mitternacht im selben Auto unterwegs waren:
"Wir haben ein zweites Leben geschenkt bekommen", so Barbara Jorns (39). Sie und ihr Begleiter Georg Schenk (50), der am Steuer sass, waren in der Nacht auf gestern von Interlaken in Richtung Thun unterwegs, als um etwa 0.30 Uhr bei Gunten das Unfassbare geschah: Ein Erdrutsch löste sich und kam genau an der Stelle auf die Strasse nieder, die sie gerade passierten (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 3)
Das Ereignis ist tatsächlich aussergewöhnlich. Und es ist eine tolle Geschichte, dass die beiden Insassen sich aus dem Auto retten konnten. Aber "unfassbar"? Schwierig zu Berechnendes und statistisch Seltenes ist unfassbar? Hat 20Minuten ein derart animistisches Weltbild? Immerhin ist uns die "Wie-durch-ein-Wunder"-Keule erspart geblieben, mit der 20Minuten üblicherweise auf jedes Ereignis einprügelt, bei dem ein menschliches Wesen grossen Beschleunigungs- oder Scherkräften ausgesetzt ist und dem Wrack oder der Ruine fast unbeschadet entsteigt. Aber die "Wie-durch-ein-Wunder"-Keule war ev. einfach nicht zur Hand weil am Hinduismus-Fest*, wo man sie benötigt hat, damit es dort auch metaphysisch genug hergeht.

*siehe unten, "Christentums-Fest"

If it's free you're not the customer. You're the product being sold.

Ein Christentums-Fest und ein Verkehrsbauer

Heute gleich zwei Schnitzer, die in die gleiche Kerbe hauen:

Exhibit A:

Als Bildlegende unter dem Foto dreier Männer in weissem Gewand mit durchstochenen Wangen schreibt 20Minuten:
"Andere Länder, andere Sitten: bei einem traditionellen und vor allem spektakulären Hinduismus-Fest [...] warten Gläubige darauf, [...] über glühende Asche zu gehen." (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 3)
Hinduismus-Fest? Wirklich? Es war kein hinduistisches Fest? Und Weihnachten ist kein christliches sondern ein Christentums-Fest? Chanukka ein Judentums-Fest, kein jüdisches? Werden bei diesem Fest das Christentum, das Judentum, der Hinduismus gefeiert? Natürlich nicht. Gefeiert wird etwas anderes, schwer benennbares, dem die jeweilige Religion Rahmen und Form gibt, deshalb ist es ein Fest in der Tradition der jeweiligen Religion, eben ein [insert any Religion here]-i(s)ches Fest.

Warum ärgert mich dieser Fehler (und der sprachliche Gestus der ganzen Bildlegende) so besonders? Weil er zeigt, wie wenig sich 20Minuten für die Welt interessiert über die es vorgibt zu berichten. Interesse an der Welt würde zu Sorgfalt im Umgang mit Wörtern führen.
Und Asche übrigens glüht nicht.

Und weiter hinten in der selben Ausgabe Exhibit B:

Unter dem Titel
"Schweizer Rüstungsfirmen leiden"
schreibt 20Minuten auf Seite 15:
 "Das Umfeld ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden", bestätigt Pascal Kopp vom Schweizer Rüstungsbauer GDELS-Mowag."  (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 15)
So, so. Rüstungsbauer. Mowag bauen Rüstungen. Nicht Radpanzer. Nicht militärische Nutzfahrzeuge. Rüstungen. So wie Audi Verkehr baut, nicht Autos. Rüstungsbauer. Hinduismus-Fest. 20Minütige Fehler.

If it's free you're not the customer. You're the product being sold.

Montag, 18. Februar 2013

Fahrgast im Generalstab

Heute steigt in den Zug nach Winterthur ein Mann, um die 45 und so gross wie ein Fünftklässler, klein also; er trägt Uniformteile der Schweizer Armee 61, nämlich das tannengraue Pöstler-Käppi eines Obersten und die Generalstabshose mit dem imposanten Streifen an der Seite. Dazu wollene Beinstulpen wie ein sehr kleiner Ballettänzer in der Aufwärmphase, so dass die Generalstabshose sich am Oberschenkel reithosenartig aufplustert. Über einem dunklen Blouson trägt er - die Riemen um die Taille und schräg über Brust und Rücken montiert - ein Offizierskoppel aus Leder mit Pistolenholster - honigbraunes Leder, genarbt von sorgfältigen Diensttagen in der Schweizer Armee. Der Mann inspiziert den Spielwagen im Doppelstöcker und isst dazu ein Paprika-Pommes-Chips. Dass das Holster ohne Inhalt ist, kann man nur vermuten. Er richtet das Wort an einige Kinder. Die Eltern geben Antwort, das Gespräch tönt sehr höflich. Dann findet der kleine Mann weiter vorne ein Abteil und setzt sich. Das Käppi mit den drei goldenen Streifen setzt er neben sich aufs Polster, schaut dann bedächtig aus dem Fenster, der Zug fährt an.  Kein Skandal. Nirgendwo 20Minuten in Sicht, auch kein eifriger Leserreporter. Glück gehabt.


Sonntag, 17. Februar 2013

Geburtstagskarawane...










... am Samstag. So kommt es, wenn man im Winter geboren ist und ein abgelegenes Fest macht. Gegen Ende weinende Kleinkinder und erschöpfte Eltern. War eine schöne Wanderung. Alles Gute zum 40ten!

Samstag, 16. Februar 2013

Donnerstag, 14. Februar 2013

Wendys Zukunft

20Minuten fragt heute in der Bildlegende unter einem Foto der jungen Schweizer Skirennfahrerin Wendy H:
"Blickt Wendy Holdener einer erfolgreichen Zukunft entgegen?"
(20Min, 14.02.2013, Wil-Winterthur, p. 43)
Natürlich ist die Frage nicht ernst - nämlich als ehrliche Frage - gemeint. Denn im Fliesstext weiss 20Minuten bereits, wie die Zukunft von Frau H. aussehen wird:
"Wendy Holdener steht vor einer grossen Zukunft. Vorerst will sie diese in den technischen Disziplinen angehen, sie träumt aber auch davon, sich später an die Abfahrt zu wagen."
(20Min, 14.02.2013, Wil-Winterthur, p. 43)
Sehen wir ab vom Umstand, dass man zwar Probleme angehen kann und jemanden - um Geld beispielsweise -, nicht aber die eigene Zukunft und dass umgekehrt aber die eigene Zukunft einen angehen kann, nämlich etwas. Was ärgerlich ist, sind Fragen, die so tun als wären sie welche. Fast so ärgerlich wie Information, die tut, als wäre sie welche.

If it's free you're not the customer. You're the product being sold.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Fahren mit sms.

20Minuten informiert heute auf der Titelseite über eine Statistik des Bundesamtes für Strassen:
"Letztes Jahr mussten 10232 Autofahrer den Fahrausweis abgeben, weil sie hinter dem Steuer ein sms geschrieben, das Navi bedient oder ein E-Mail beantwortet hatten. Das sind knapp 700 Ausweisentzüge mehr als noch im Vorjahr"(20Min, 13.02.2013, Wil-Winterthur, p. 1)
In der ausgebauten Version der Titelgeschichte auf S. 3 wird dasselbe dann nochmals anders -bzw. etwas anderes - gesagt:
"10232 Personen mussten im letzten Jahr ihren Fahrausweis wegen Unaufmerksamkeit hinter dem Steuer abgeben. Dies sind laut dem Bundesamt für Strassen (astra) fast 7 Prozent mehr als im Vorjahr." (20Min, 13.02.2013, Wil-Winterthur, p. 3)

Das macht einen Fehler pro 3 Zahlen (wenn man die Zahl im Zeitungsnamen nicht mitrechnet). So kommt es, wenn 20Minuten statt aufmerksam, anständig und brav vor dem Computer seinen täglichen Minimalartikel zu verfassen hauptsächlich nebenher sms schreibt. Können wir bitte dieser Zeitung den Führerschein wegnehmen?

If it's free you're not the customer. You're the product being sold.

Montag, 4. Februar 2013

See und Wald

Didn't work today. Snow in the morning, then sun, snow again later. Thought about taking up analogue b/w photography again. I would have to buy an enlarger though. In St. Gallen mein neues Vorbereitungsbuch gekauft für's nächste halbe Jahr. Der Umschlag hat eine Farbe von Eierschale bis Elfenbein. Feine Textur, wie Seide. Sehr schön.

Zwei Bilder aus dem letzten Monat: Fähre nach Friedrichshafen und Wiesenthal, auf dem Weg zu Ms Beerdigung:







Sonntag, 3. Februar 2013

Sonntagsschnee

Aufgestanden gegen 10, aus dem Fenster geschaut, es schneit!, in die Küche gerannt für die Kamera - schnell, schnell, das schmilzt ja alles gleich und jemand trampelt drein -  Fenster aufgerissen, Foto gemacht:


Donnerstag, 24. Januar 2013

Ein Denzel Washington

20Min schreibt:
"Flight" profitiert zudem von der Leinwand-Präsenz eines Denzel Washington, der das Thriller-Drama zur anrührenden Charakterstudie macht." (20Min, 24.01.2013, Wil-Winterthur, p. 31)

Bitte vor eine allgemein bekannte Person kein Indefinitipronomen - auch nicht, wenn man damit die zweimalige Verwendung der Präposition "von" kurz hintereinander umgehen kann. Bad, bad style. Aber 20Minuten mag mit dieser Schreibgeste auf eine Steigerung des eigenen Prestiges spekulieren, denn es können nur Menschen von einem Denzel Washington (DW) schreiben, die einen grossen Überblick haben und das Wissen, dass es mehr als einen DW gibt, der schauspielt. Offenbar spielt im Film nicht der DW mit. Sondern ein anderer. Wer ein Roger Federer sagt, oder eine Hillary Clinton, möchte vor allem etwas über sich selber mitteilen, nämlich, dass er sich auskennt und weltgewandt ist. Zugleich kann man DW - oder Roger Federer - mit der Verwendung des Indefinitpronomens ein wenig kleiner machen - wir reden hier von einem DW unter vielen; der kocht auch nur mit Wasser. Männer schreiben so. Prestigeangst und Penisneid: Männerthemen. Und 20Min schreibt so; weltläufig scheinen und gut informiert - aber bitte ohne Aufwand. 20Minuten ist ein Mann.

Der umgekehrte Weg - der generalisierende Singular - ist übrigens genauso doof:
Der Appenzeller ist eher kurz und von störrischem Charakter. Und er möchte sein Käsegeheimnis um keinen Preis preisgeben.
So habe ich auch Frauen reden hören. Aber nur ein Mal. Und die mochte keine Männer.

If it's free you're not the customer. You're the product being sold.

die grosse Umfrage !

20Min schreibt:
"Abzocker-Initiative: User sagen klar Ja

[...], wie die grosse Umfrage von 20 Minuten Online zeigt. [...] Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, doch sie bestätigt eine These des Politologen Lukas Golder vom Dezember." (20Min, 24.01.2013, SBB Wil-Winterthur, p.3)

Wenn sie nicht repräsentativ ist, bestätigt die Umfrage aber gar nichts, vor allem keine Thesen. Aber sie liefert, was 20Min braucht: Fluff. Und das ohne finanz. Aufwand.

If its free you're not the customer. You're the product being sold.