Was genau "lesen" in diesem Kontext bedeutet, deutscht 20Minuten nicht weiter aus - dafür überschüttet Chefredaktor Marco Boselli sein Blatt (und implizit sich selbst) mit Lob bzw. bewirbt seine von Werbung finanzierte Werbeplattform:
" .... mit dem für uns typischen ... schnellen und unterhaltsamen ... Informations- und Recherchejournalismus... Qualitätsstandard gesetzt ... von Leadern und Top-Leadern geschätzt..."M. Boselli lehnt sich mit seinem Weihrauchfässchen dabei recht weit aus dem Fenster, denn es ist unklar, ob die Wemf-Studie tatsächlich die Präferenzen von Leadern und Top-Leadern je separat erhebt und ob der Umstand, dass sie es lesen tatsächlich den Schluss zulässt, dass Leader das Blatt auch schätzen.
Nach der ersten Frustration darüber, dass die Schweiz wirtschaftlich und politisch offenbar von Menschen mit recht niedrigen Ansprüchen und ohne Qualitätsbewustsein geführt wird, kommt der Medienwissenschaftler Björn von Rimscha (Uni Zürich) zu Hilfe: Nämlich 20Minuten zitiert ihn mit der Aussage (und schiesst sich damit selber in den Fuss):
"Leader müssen wissen, was Follower beschäftigt. In diesem Sinne ist die Lektüre von 20Minuten Pflicht für Führungskräfte".Touché, Mr. Bond.
Und Alexander Tschäppät (SP) und Doris Fiala (FDP) und Natalie Rickli (SVP)? Sie werden sich hüten, dem grössten Deutschschweizer Stimmungsmacher in die Suppe zu spucken und winden sich in ihren Stellungnahmen zum tollen Resultat mit Formulierungen, die als Lob durchgehen können und doch ein Hintertürchen offen lassen:
"Immer wenn ich Zug fahre, schnappe ich mir ein 20Minuten. [...]" (Ricklin)Bleiben zum Schluss Herbert Bolliger und Jürg Schmid, die ebenfalls einen Kommentar abgeben. Und was können der Chef der Migros und der Direktor von Tourismus Schweiz wohl für einen Eindruck haben von einer Zeitung, deren existentieller Kern das Verkaufen ist?
"Als Politikerin kann ich gar nicht auf 20Minuten verzichten." (Fiala)
"[20Minuten] gibt mir einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen [...]" (Tschäppät)
Eben.
Alle Zitate: (20Minuten, 16.4.2013, Wil-Winterthur, S. 2)
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