Heute steigt in den Zug nach Winterthur ein Mann, um die 45 und so gross wie ein Fünftklässler, klein also; er trägt Uniformteile der Schweizer Armee 61, nämlich das tannengraue Pöstler-Käppi eines Obersten und die Generalstabshose mit dem imposanten Streifen an der Seite. Dazu wollene Beinstulpen wie ein sehr kleiner Ballettänzer in der Aufwärmphase, so dass die Generalstabshose sich am Oberschenkel reithosenartig aufplustert. Über einem dunklen Blouson trägt er - die Riemen um die Taille und schräg über Brust und Rücken montiert - ein Offizierskoppel aus Leder mit Pistolenholster - honigbraunes Leder, genarbt von sorgfältigen Diensttagen in der Schweizer Armee. Der Mann inspiziert den Spielwagen im Doppelstöcker und isst dazu ein Paprika-Pommes-Chips. Dass das Holster ohne Inhalt ist, kann man nur vermuten. Er richtet das Wort an einige Kinder. Die Eltern geben Antwort, das Gespräch tönt sehr höflich. Dann findet der kleine Mann weiter vorne ein Abteil und setzt sich. Das Käppi mit den drei goldenen Streifen setzt er neben sich aufs Polster, schaut dann bedächtig aus dem Fenster, der Zug fährt an. Kein Skandal. Nirgendwo 20Minuten in Sicht, auch kein eifriger Leserreporter. Glück gehabt.
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