Dienstag, 19. Februar 2013

Ein Christentums-Fest und ein Verkehrsbauer

Heute gleich zwei Schnitzer, die in die gleiche Kerbe hauen:

Exhibit A:

Als Bildlegende unter dem Foto dreier Männer in weissem Gewand mit durchstochenen Wangen schreibt 20Minuten:
"Andere Länder, andere Sitten: bei einem traditionellen und vor allem spektakulären Hinduismus-Fest [...] warten Gläubige darauf, [...] über glühende Asche zu gehen." (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 3)
Hinduismus-Fest? Wirklich? Es war kein hinduistisches Fest? Und Weihnachten ist kein christliches sondern ein Christentums-Fest? Chanukka ein Judentums-Fest, kein jüdisches? Werden bei diesem Fest das Christentum, das Judentum, der Hinduismus gefeiert? Natürlich nicht. Gefeiert wird etwas anderes, schwer benennbares, dem die jeweilige Religion Rahmen und Form gibt, deshalb ist es ein Fest in der Tradition der jeweiligen Religion, eben ein [insert any Religion here]-i(s)ches Fest.

Warum ärgert mich dieser Fehler (und der sprachliche Gestus der ganzen Bildlegende) so besonders? Weil er zeigt, wie wenig sich 20Minuten für die Welt interessiert über die es vorgibt zu berichten. Interesse an der Welt würde zu Sorgfalt im Umgang mit Wörtern führen.
Und Asche übrigens glüht nicht.

Und weiter hinten in der selben Ausgabe Exhibit B:

Unter dem Titel
"Schweizer Rüstungsfirmen leiden"
schreibt 20Minuten auf Seite 15:
 "Das Umfeld ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden", bestätigt Pascal Kopp vom Schweizer Rüstungsbauer GDELS-Mowag."  (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 15)
So, so. Rüstungsbauer. Mowag bauen Rüstungen. Nicht Radpanzer. Nicht militärische Nutzfahrzeuge. Rüstungen. So wie Audi Verkehr baut, nicht Autos. Rüstungsbauer. Hinduismus-Fest. 20Minütige Fehler.

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