Dienstag, 19. Februar 2013

das Unfassbare

20Minuten meldet auf der Titelseite heute unter der Schlagzeile
"Schlammlawine spült Auto in See" (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 1),
dass zwei Autoinsassen letzte Nacht grosses Glück hatten; im Lead zum eigentlichen Artikel auf Seite 3  ist aus der Schlammlawine dann ein Erdrutsch geworden, der nicht mehr spült, sondern reisst:
"Ein Erdrutsch riss ihren Wagen in den Thunersee" (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 3)
Da haben zwei unterschiedliche geologische Phänomene am Thunersee letzte Nacht offenbar zusammengefunden und gespült und gerissen. Sie sind zwei Menschen begegnet, die nach Mitternacht im selben Auto unterwegs waren:
"Wir haben ein zweites Leben geschenkt bekommen", so Barbara Jorns (39). Sie und ihr Begleiter Georg Schenk (50), der am Steuer sass, waren in der Nacht auf gestern von Interlaken in Richtung Thun unterwegs, als um etwa 0.30 Uhr bei Gunten das Unfassbare geschah: Ein Erdrutsch löste sich und kam genau an der Stelle auf die Strasse nieder, die sie gerade passierten (20Min, 19.02.2013, Wil-Winterthur, p. 3)
Das Ereignis ist tatsächlich aussergewöhnlich. Und es ist eine tolle Geschichte, dass die beiden Insassen sich aus dem Auto retten konnten. Aber "unfassbar"? Schwierig zu Berechnendes und statistisch Seltenes ist unfassbar? Hat 20Minuten ein derart animistisches Weltbild? Immerhin ist uns die "Wie-durch-ein-Wunder"-Keule erspart geblieben, mit der 20Minuten üblicherweise auf jedes Ereignis einprügelt, bei dem ein menschliches Wesen grossen Beschleunigungs- oder Scherkräften ausgesetzt ist und dem Wrack oder der Ruine fast unbeschadet entsteigt. Aber die "Wie-durch-ein-Wunder"-Keule war ev. einfach nicht zur Hand weil am Hinduismus-Fest*, wo man sie benötigt hat, damit es dort auch metaphysisch genug hergeht.

*siehe unten, "Christentums-Fest"

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