Dienstag, 18. Juni 2013

"Kinder die Eltern prügeln über 200 Fälle letztes Jahr"

titelt heute 20Minuten auf Seite 2, natürlich mit einem Komma und einem Doppelpunkt, und beides an der richtigen Stelle. Dann sucht der Leser nach der Trendmeldung - immermehr, immerhäufiger, immerbrutaler. Weil der Trend aber abnehmend ist, muss 20Minuten, damit doch noch ein wenig alarmistische Stimmung aufkommt, zu einem formulatorischen Trickli greifen:
"Diese Attacke ist kein Einzelfall: Der Elternnotruf, eine Beratungsstelle für Erziehungsfragen und Familienkonflikte, zählte letztes Jahr 266 Meldungen wegen Gewalt von Kindern gegen ihre Eltern - deutlich mehr als 2011 , 2009 und 2008, aber weniger als im Rekordjahr 2010." (20Minuten, Wil-Winterthur, 18.6.2013, p.2)
Wir sehen: man muss einfach die richtigen Jahre miteinander vergleichen, und schon kann man berichten, dass es jetzt "deutlich mehr" Fälle sind.

Solche sog. Alarmismustrickli sind wichtig, sonst steht 20Minuten am Ende da mit Schlagzeilen wie:
Kinder, die Eltern prügeln: unter 300 Fälle letztes Jahr!
Und der Aussage im Fliesstext:
Die Zahl der Fälle nimmt seit dem Rekordjahr 2010 ab!
Und von sowas natürlich kann bloss eine anständige Zeitung leben.

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