Freitag, 24. Mai 2013

"mit Hackmessern massakriert / bestialische Enthauptung"

So informiert 20Minuten heute über den Mord an einem jungen Mann durch zwei "Islamisten". Natürlich könnte man über Umstände und Hergang des Mordes auch anders schreiben, weniger videogamig. Die Täter verwendeten ein Fleischbeil (Singular) und Küchenmesser, die Pluralform "mit Hackmessern" ist also faktisch falsch. Und wer hat beschlossen, dass der Mann nicht ermordet wurde, sondern dass ihn die Täter "massakrierten"? Wurde er nicht 'getötet' oder - wenn der Chefredaktor mehr Emotion fordert - 'regelrecht hingerichtet'? Und wer  hat der Redaktion berichtet, dass der Mord 'bestialisch' geschah ('a bestiality' auf englisch)? Oder hat die Redaktion das Wort aus eigener Initiative gewählt?  Das Wort ist an der Stelle grammatisch nicht nötig ("Grossbritannien steht nach der bestialischen Enthauptung eines Soldaten unter Schock"). 'Bestialisch' soll also eine Zusatzinformation geben, die dem Verfasser wichtig scheint.

Und dann dieser eigenartige Satz:
"Der 25-jährige Vater war zwar Soldat, spielte zuletzt aber nur noch in einer Militärkapelle." (20Minuten, Wil-Winterthur, 24.5.2013, S. 1) 
Will 20Minuten damit sagen, er war kein 'richtiger' Soldat? Er hat immerhin in Afghanistan Dienst geleistet, wie andere Zeitungen wissen. Und steht es 20Minuten zu, die genaue Funktion des Soldaten mit "zuletzt nur noch" zu werten? War Lady Di bei ihrem Tod 'nur noch' eine Ex-Prinzessin? Überhaupt  ist die starke Einschränkung im Satz mit Hilfe von gleich drei Konjunktionen augenfällig (zwar / aber / nur). Sie richtet sich offenbar gegen die Aussage der mutmasslichen Täter, sie hätten einen Soldaten töten wollen und ihre Tat sei die Reaktion auf Taten des Militärs in Afghanistan. Aber warum begibt sich 20Minuten auf das Argumentationsniveau der Täter ?

Der Artikel ist in der Wortwahl der Sache und dem Opfer gegenüber respektlos. Damit - weil er der Sache gegenüber respektlos ist - zeigt er auch gegenüber den Leserinnen und Lesern keinen Respekt. 2 Männer begehen einen Mord, den sie als politische Tat und als Beitrag an die Befreiung eines islamischen Landes ausgeben, den die übrige Welt aber als sinnlose Tat sieht. Muss man das als verbalen Video-Ego-Shooter berichten? Und hätte 20Minuten es so berichtet, wenn die Täter Weisse gewesen wären und das Opfer schwarz oder braun?

Glenn Greenwald über die Frage, ob man die Tat Terrorismus nennen kann

Apache gun camera

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