Mittwoch, 15. Mai 2013

"Schweizerin dreht mit Ronaldos Ex"*

- nämlich einen Bollywood-Film im Wallis, titelt 20Minuten heute im People-Segment. Und illustriert damit zwei Grundpfeiler der 20minütigen Weltsicht:

a) Man kann eine Person auf ihre Nationalität reduzieren. Doch, momoll, das geht gut.
b) Wie das Turiner Grabtuch oder Splitter vom wahren Kreuz sind Fussballerfreundinnen für sich genommen nichts wert, sondern erhalten Wert nur Kraft ihres Kontaktes mit dem Göttlichen - in unserem Fall Jesus bzw. Ronaldo.
c) Was einmal vom Göttlichen - in unserem Fall Jesus bzw. Ronaldo - berührt wurde, wird zur Reliquie (wobei Grabtuch, Splitter & Exfreundin zur zweiten von drei Reliquienkategorien gehören, den sog. "echten Berührungsreliquien") und bildet eine Brücke zwischen der diesseitigen, gegenwärtigen Welt und dem Göttlichen.

Ok, das waren DREI Grundpfeiler.

Was die Schlagzeile also macht: Sie schafft eine Verbindung zwischen Ronaldo und der Schweiz. Über eine etwas brösmelige Argumentationskette zwar (Frau mit Schweizerpass - Bollywood-Film - Exfreundin von Ronaldo), aber es ist der gute Wille, der zählt. Und ist dann schon fast so als würde Ronaldo beim FCZ tschutten.

Wie kleinmütig, wie minderwertigkeitskomplexig diese Haltung doch ist. Andererseits: jedes Volk hat die Zeitung, die es verdient.

If it's free, you're not the customer. You're the product being sold.

*(20Minuten, Wil-Winterthur, 15.5.2013, S.21)

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