Dienstag, 21. Mai 2013

"erst "und "bereits"

oder: wie man Thesen stützt.

Unter der Anklage: "SINGELS TREIBEN DIE MIETEN IN DIE HÖHE" schreibt 20Minuten heute auf der Titelseite:
"Waren 1980 erst 28,9 Prozent der Privathaushalte Single-Haushalte gewesen, waren es 2010 bereits 36,4 Prozent, so die neuesten Zahlen des Bundes." (20Minuten, Wil-Winterthur, 21.5.2013, S.1)
Sehen wir ab vom originellen Gebrauch der Zeitformen. Warum sind 28,9 Prozent "erst", und 36,4 Prozent "bereits"? Ist ein Zuwachs von 7,5 Prozent Singelhaushalten über einen Zeitraum vom 30 (dreissig!) Jahren tatsächlich ein Trend, der sich von "erst" nach "bereits" bewegt? Ginge nicht auch: "1980 waren 'bereits' 28,9 Prozent der Privathaushalte Singelhaushalte; 2010 sind es nur knapp - bzw. 'erst' - 7,5 Prozent mehr"?

Aber nein. Zu komplex. 20Minuten will nicht denken, abwägen, ev. sogar auf einen Trend verzichten. Wo kämen wir hin wenn die Zeitung statt täglich "DIE WELT GEHT DEN BACH RUNTER!" zu schreien plötzlich schreiben müsste: "Trotz der grossen gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten 30 Jahre hat die Zahl der Singelhaushalte nur wenig zugenommen".

20Minuten will Veränderung konstatieren. Am liebsten solche zum Schlechteren. G'haue oder g'schtoche.

Und nur nebenbei, 20Minuten: Treiben Singels tatsächlich Mieten in die Höhe? Sind es nicht eher Hausverwaltungen und -besitzer, die Mieten festlegen? Und ist es der Zucker, der dich dick macht - oder deine Art zu leben? Tja, Fragen über Fragen.

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